Tage Alter Musik – Almanach 2025

6. BIS 9. JUNI 2025 MUSIK VOM MITTELALTER BIS ZUR KLASSIK KONZERTE AN HISTORISCHEN STÄTTEN ALMANACH 2025 Preis: 8,00 €

Vorwort / Inhalt 3 vorworT Die 40. Tage Alter Musik Regensburg fanden traditionell wieder am verlängerten Pfingstwochenende vom 6. bis 9. Juni 2025 statt: 16 Konzerte, die große Instrumentenausstellung, die internationale Tagung „G. P. d. Palestrina zwischen Kirche, Kontrapunkt und Kommerz“ in Zusammenarbeit mit dem Institut für Musikwissenschaft der Universität Regensburg, die Führungen durch die Bischöfliche Zentralbibliothek unter dem Motto „Palestrina in Regensburg“, die Konzerteinführungen in Zusammenarbeit mit dem Institut für Musikwissenschaft der Universität Regensburg und der Thurn & Taxis Hofbibliothek, das Gesprächskonzert mit dem Ensemble Into the Winds, die Präsentation des Kinofilms „ORLANDO, a composer’s life in the Renaissance“ und schließlich am 10. Juni der Kurstag mit der Barockgeigerin Susanna Ogata in Zusammenarbeit mit der Kirchenmusikhochschule. Alle Konzerte waren ausverkauft. Dafür möchten wir unserem treuen Publikum recht herzlich danken. Die vorliegende Broschüre fasst die in den Medien erschienenen Berichte und Rezensionen über die Tage Alter Musik 2025 zusammen. Die zahlreichen Fotos von Michael Vogl geben die charakteristische und unverwechselbare Festivalatmosphäre wieder. Wir danken recht herzlich dem Verein Freunde und Förderer der Tage Alter Musik Regensburg e.V. für die großzügige finanzielle Unterstützung bei der Herstellung und dem Versand dieser Jubiläumsausgabe des Almanachs 2025. Ihr Team der Tage Alter Musik (Ludwig Hartmann, Stephan Schmid, Paul Holzgartner) inhalT Eröffnung 5 BR-KLASSIK „Jazz und mehr“ 8 BR-KLASSIK „Tafel-Confect“ 10 Frankfurter Allgemeine Zeitung 22 Gelsenkirchen–Barock: Neues aus der Alten Musik 26 Mittelbayerische Zeitung 32 NMZ-Neue Musikzeitung 48 Regensburger Zeitung 52 Sonntagszeitung, Regensburger Bistumsblatt 54 Straubinger Tagblatt 56 Süddeutsche Zeitung 58 Zeitzeichen 62 Konzerteinführungen 68 Ausstellung / Infozentrum 69 Palestrina-Tagung 76 Palestrina-Führung 77 Gesprächskonzert: Into the Winds 78 Kinofilm: „ORLANDO, a composer’s life in the Renaissance“ 79 Kurstag; Susanna Ogata, Barockvioline 80 Verschiedenes n Total Baroque Magazine 81 n BR-KLASSIK 83 n Kulturjournal 84 n Bayerische Staatszeitung 85 n Grußwort Bischof 86 Programmveröffentlichung unter www.tagealtermusik-regensburg.de Montag, 10. November 2025 Ticketverkauf vereinsmitglieder Ab Montag, 17. November 2025 allgemeiner Ticketverkauf Ab Montag, 24. November 2025 Die 41. Tage alTer Musik regensburg finDen aM PfingsTwochenenDe in Der ZeiT voM 22. bis 25. Mai 2026 sTaTT.

Tage Alter Musik Regensburg 2025 4 freiTag, 6. Juni 2025 Internationale Tagung: 9.30 bis 16.15 Uhr, Bonhoeffersaal, Evangelisches Bildungswerk Regensburg e.V., Am Ölberg 2 GIOVANNI PIERLUIGI DA PALESTRINA ZWISCHEN KIRCHE, KONTRAPUNKT UND KOMMERZ 10.00 bis 19.00 Uhr, Historischer Salzstadel, Brückstraße 2 INFOZENTRUM, KARTENVERKAUF, CD-MARKT Konzert 1: 20.00 Uhr, Dom St. Peter, Domplatz 1 REGENSBURGER DOMSPATZEN & LA CETRA BASEL (Schweiz) Konzert 2: 22.45 Uhr, Schottenkirche St. Jakob, Jakobstraße 3 DOROTHEE MIELDS & HANA BLAŽÍKOVÁ, HATHOR CONSORT (Belgien) saMsTag, 7. Juni 2025 10.00 bis 19.00 Uhr, Historischer Salzstadel, Brückstraße 2 INFOZENTRUM, KARTENVERKAUF, CD-MARKT 13.00 bis 19.00 Uhr AUSSTELLUNG 10.00 Uhr, Bischöfliche Zentralbibliothek, St.-Peters-Weg 11-13 PALESTRINA-FÜHRUNG Konzert 3: 11.00 Uhr, Städtische Galerie im Leeren Beutel, Bertoldstraße 9 THE TUNELANDERS (Tuneland/ Schweiz) Konzert 4: 14.00 Uhr, Reichssaal, Rathausplatz 1 INTO THE WINDS (Frankreich) 15.00 Uhr, Bischöfliche Zentralbibliothek, St.-Peters-Weg 11-13 PALESTRINA-FÜHRUNG Konzert 5: 16.00 Uhr, Basilika St. Emmeram, Emmeramsplatz 3 XENIA LÖFFLER, ALFREDO BERNARDINI, MICHAEL BOSCH BATZDORFER HOFKAPELLE (Deutschland) Gesprächskonzert: 17.00 Uhr, Innenhof (bei schlechtem Wetter im Auditorium) Thon-Dittmer-Palais, Haidplatz 8 INTO THE WINDS: „VOM STAMPFEN ZUM VORNEHMEN SCHREITTANZ 500 JAHRE TANZMUSIK“ Konzert 6: 20.00 Uhr, Dreieinigkeitskirche, Am Ölberg 1 SOLOMON’S KNOT (Großbritannien) Konzert 7: 22.45 Uhr, Dominikanerkirche St. Blasius, Albertus-Magnus-Platz TENEBRAE CHOIR (Großbritannien) sonnTag, 8. Juni 2025 10.00 bis 19.00 Uhr, Historischer Salzstadel, Brückstraße 2 INFOZENTRUM, KARTENVERKAUF, CD-MARKT, AUSSTELLUNG Konzert 8: 11.00 Uhr, Reichssaal, Rathausplatz 1 MUSICA GLORIA (Belgien) Konzert 9: 14.00 Uhr, Schottenkirche St. Jakob, Jakobstraße 3 CANTORÍA (Spanien) 15.00 Uhr, Bischöfliche Zentralbibliothek, St.-Peters-Weg 11-13 PALESTRINA-FÜHRUNG Konzert 10: 16.00 Uhr, Basilika U. L. Frau zur Alten Kapelle, Alter Kornmarkt THE BEGGAR’S ENSEMBLE (Frankreich) Kinofilm: 18.00 Uhr, Garbo-Kino, Weißgerbergraben 11a ORLANDO, A COMPOSER’S LIFE IN THE RENAISSANCE Konzert 11: 20.00 Uhr, Dreieinigkeitskirche, Am Ölberg 1 ARS ANTIQUA AUSTRIA (Österreich) ST. FLORIANER SÄNGERKNABEN (Österreich) Konzert 12: 22.45 Uhr, Brauhaus am Schloss, Waffnergasse 8 CAPPELLA PRATENSIS (Niederlande) SOLLAZZO ENSEMBLE (Frankreich) MonTag, 9. Juni 2025 10.00 bis 16.00 Uhr, Historischer Salzstadel, Brückstraße 2 INFOZENTRUM, KARTENVERKAUF, CD-MARKT, AUSSTELLUNG Konzert 13: 11.00 Uhr, Reichssaal, Rathausplatz 1 NEWTON BAROQUE (USA) Konzert 14: 14.00 Uhr, Minoritenkirche, Dachauplatz 2-4 LA NÉRÉIDE (Frankreich) Konzert 15: 16.00 Uhr, Theater am Bismarckplatz, Neuhaussaal, Bismarckplatz 7 ZEFIRO (Italien) Konzert 16: 19.00 Uhr, Dominikanerkirche St. Blasius, Albertus-Magnus-Platz LE CONCERT SPIRITUEL (Frankreich) DiensTag, 10. Juni 2025 Kurstag: 9.30 bis 12.30 und 14.00 bis 18.00 Uhr Konzertsaal der HfKM, Andreasstraße 9 SUSANNA OGATA (USA), Barockvioline Kursteilnehmer-Konzert: 19.30 Uhr Konzertsaal der HfKM, Andreasstraße 9 ZeiTTafel — Tage alTer Musik regensburg 2025

Tage Alter Musik Regensburg 2025 5 Gertrud Maltz-Schwarzfischer, Oberbürgermeisterin der Stadt Regensburg Foto: Stadt Regensburg, Stefan Effenhauser The Tunelanders gestalteten musikalisch die Eröffnung in der Kirche St. Ulrich Foto: Stadt Regensburg, Stefan Effenhauser Prof. Dr. Udo Hebel, Präsident der Universität Regensburg Foto: Stadt Regensburg, Stefan Effenhauser Ludwig Hartmann, Tage Alter Musik Regensburg Foto: Stadt Regensburg, Stefan Effenhauser Blick von oben auf die Festversammlung Eröffnung der Tage Alter Musik 2025 in der Kirche St. Ulrich

Tage Alter Musik Regensburg 2025 6 The Tunelanders Die Tunelanders spielen und die Festversammlung lauscht Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer, Ludwig Hartmann, Kulturreferent Wolfgang Dersch und Stephan Schmid

Tage Alter Musik Regensburg 2025 7 Aus New York gekommen, der bei den TAM häufig aufgetretene Musiker Paul Shipper Prominente Gäste aus Belgien und den Niederlanden, Bart Demuyt, Antwerpen; Ingrid und Jan Nuchelmans, Utrecht Zum Abschied ein TAM-T-Shirt für die Oberbürgermeisterin Foto: Stadt Regensburg, Stefan Effenhauser

Herzlich willkommen zu dieser Sendung – diesmal mit dem Motto „Die Entdeckungsfreudigen“. Das bezieht sich auf zwei Festivals, die ich dieses Jahr besonders herausragend fand: die Tage Alter Musik in Regensburg und das Südtirol-Jazzfestival in und um Bozen. Sie hören in dieser Stunde Musik von Ensembles und Einzelkünstlern, die bei diesen Veranstaltungen zu erleben waren. Zu Beginn: ein Tanz. Musik: Into The Winds: Saltarello La Comarina (Anonymus) Das war das französische Bläser-Ensemble „Into the Winds“ mit einem Tanz aus der Renaissance. „Saltarello La Comarina“ heißt das Stück, entstanden um 1550. Eingespielt aber vor relativ kurzer Zeit. Das Album, aus dem das Stück stammt, erschien 2023. Bei den Tagen Alter Musik in Regensburg war dieses Ensemble zu erleben – und zwar mit Tanzstücken, in denen sowohl laute als auch leise Blasinstrumente vorkamen; laut wäre etwa eine Zugtrompete oder eine Busine, das ist eine frühe Trompetenart. Und leise wären zum Beispiel Blockflöten. Ansonsten kommt in diesem Ensemble auch der Pommer vor, das ist ein Holzblasinstrument, das verschiedentlich auch Bombarde genannt wird. Später wird diese Band nochmal zum Tanz aufspielen. Die Tage Alter Musik, die es jetzt zum 40. Mal gab, sind eines der schönsten und ergiebigsten Festivals, die ich kenne. Man kann dort Weltspitzen-Ensembles in unfassbar schönen historischen Räumen erleben. Falls Sie noch nie in Regensburg waren, fahren Sie an Pfingsten dorthin und besorgen Sie sich Konzertkarten. Es gibt immer besonderes Repertoire zu entdecken – und man kann, wie Sie vorhin sicher bemerkt haben, auch Einiges über alte Instrumente erfahren. Musik: Into the Winds: Gallicum sine nomine (Anonymus). Das Ensemble Into the Winds mit dem Stück „Gallicum sine nomine“: sehr lebendig interpretierte Tanzmusik aus der Renaissance. Aus Frankreich und Italien stammen die Stücke, die dieses Ensemble im Repertoire hat. Bei den Tagen Alter Musik in Regensburg, auf die ich hier wieder ein Schlaglicht werfe, gab es diesmal eine besonders festliche Vielfalt – da dieses hervorragende Musikfestival zum 40. Mal stattfand. Ich konnte zwei Tage davon miterleben und hatte einige sehr animierende Musik-Erlebnisse. Etwa beim Konzert des Ensembles „The Tunelanders“ in einem Raum des alten Getreidespeichers „Leerer Beutel“, einem Gebäude, in dem auch der Regensburger Jazzclub untergebracht ist. Die Tuneländers sind Musiker, die neben barocker Kammermusik auch traditionelle schottische und irische Musik spielen. Das hatte viel Reiz. Allerdings ist von diesem Ensemble noch kein Tonträger erschienen – und ich muss Sie auf später vertrösten mit dieser ungewöhnlichen Musik. Aber etwas anderes sehr Spannendes von den Tagen Alter Musik gibt es jetzt gleich zu hören. Es ist Musik einer Gattung, die den schönen Namen „Ensaladas“ trägt. Sie vermuten richtig: Ensalada ist spanisch für Salat. Der Salat, den man in den entsprechenden Musikstücken vorgesetzt bekommt, ist – wie Sie feststellen werden – ziemlich gut angerichtet. Aber er ist eben gemischt. In solchen Stücken finden textliche und musikalische Stilmittel aller möglichen Herkünfte zueinander. Weltliche und geistliche Texte, literarische und umgangssprachliche, und Musik, in der sich mehrere Stimmen voneinander unabhängig oder aber akkordisch miteinander bewegen. Das spanische Ensemble Cantoría brachte ein ganzes Ensaladas-Menü in die Regensburger Schottenkirche. Und das war glänzend präsentiert und mitreißend gesungen. Hören Sie von einemAlbum dieses Ensembles hier das Stück „El toro“, der Stier. Und der Text läuft darauf hinaus, dass man solch ein Tier, wenn es denn mal wild geworden ist, am besten STIMMEN ZUM FESTIVAL TAGE ALTER MUSIK 2025 Im Namen der ganzen Batzdorfer Hofkapelle möchte ich Euch nochmals sehr herzlich für die Gelegenheit danken, dass wir unser Thurn & Taxis-Programm bei Euch spielen durften. Es war für uns ein außergewöhnliches Projekt, das wir in allen Aspekten sehr genossen haben. Danke für Eure tolle Betreuung und die fantastische Organisation von Anfang an. Das erlebt man nicht so häufig. Xenia Löffler, Batzdorfer Hofkapelle Tage Alter Musik Regensburg 2025 8 Die Entdeckungsfreudigen Ausschnitte aus der Sendung „Jazz und mehr“ 4. Oktober 2025 // Autor: Roland Spiegel

Tage Alter Musik Regensburg 2025 9 bezwingt, wenn man christlich göttliche Mächte auf seiner Seite hat. Cantoría mit „El toro“. Musik: Cantoría: El toro (Manuscrito de Medinaceli), Cantoría: Jubilate (Las Ensaladas de Flechà) Musik der spanischen Renaissance: eine Ensalada. Und wenn Sie vorhin schon dabei waren in dieser Radiostunde, dann wissen Sie bereits, dass das Musik mit einem sehr freien Stilmix ist, in dem Weltliches und Geistliches sowie Polyphones und Homophones zusammentreffen. Das Ensemble Cantoría mit einer Ensalada, die dem Sonntag Jubilate gewidmet war. Jubilate ist im Christentum der Name des dritten Sonntags nach Ostern. Das Stück war eine Komposition von Mateo Flecha el Viejo, also Mateo Flecha dem Älteren, der das Genre der Ensaladas im frühen 16. Jahrhundert perfektioniert hat. Der Text erzählte sehr bildhaft und frei von der Begegnung der Jungfrau Maria mit dem Teufel. Und natürlich war sie überlegen. Dies ist die Sendung „Jazz und mehr“. Das eben stammte aus der Kategorie „mehr“, und gleich kommt noch mehr „mehr“. Diesmal von drei Frauenstimmen eines Ensembles, das sich „La Néréide“ nennt. Nereiden sind Wassergeister, Nymphen des Meeres. Das Ensemble La Néréide besteht aus den drei Sopranistinnen Julie Roset, Ana Viera Leite und Camille Allérat. Sie studierten gemeinsam in Genf. In Regensburg sangen sie Madrigale des Komponisten Luzzasco Luzzaschi. Der hieß offenbar wirklich so und lebte in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts im italienischen Ferrara. Zu seinen herausragenden Werken gehören mehrstimmige Gesangsstücke mit meist weltlichem Inhalt - also Madrigale – für eine bis drei Sopranstimmen. Solch ein Stück hören Sie in etwa eineinhalb Minuten. Es ist aus einem Album, das sich „Il concerto segreto“ nennt, das geheime Konzert. Am Fürstenhof von Ferrara gab es Ende des 16. Jahrhunderts ein legendäres Ensemble aus drei Sopranistinnen, für das der Komponist Luzzasco Luzzaschi schrieb. Die Noten aber wurden stets unter Verschluss gehalten, denn eine Veröffentlichung war demKomponisten verboten während seiner Dienstzeit in Ferrara. Erst danach, 1601, publizierte er sie. „Aura Soave“ heißt das Stück, das Sie gleich hören werden. La Néréide: Aura Soave (Luzzasco Luzzaschi) Das Stück „Aura Soave“ aus dem Album „Luzzaschi – Il concerto segreto“ des Ensembles La Néréide. Bei den 40. Tagen Alter Musik an Pfingsten in Regensburg war dieses Ensemble zu erleben. Aufnahmen von dem Festival liefen und laufen an anderen Stellen unseres Programms. In dieser gemischten Zusammenschau stelle ich wie jedes Jahr Musik von Alben der erwähnten Ensembles vor. Heute warf ich kleine Schlaglichter auf zwei großartige Festivals unterschiedlicher Genres. Die Tage Alter Musik und das SüdtirolJazzfestival in und um Bozen. Viellicht haben Sie ja Lust, mal an einen der beiden Orte oder sogar an alle beide zu den Zeiten der Festivals zu fahren. Die Tage Alter Musik gibt es, wie erwähnt, wieder an Pfingsten, und das Südtirol-Jazzfestival findet stets Ende Juni, Anfang Juli statt. Musikalisch lohnt es sich – und sehr auch von den Orten her. Damit auf Wiederhören beim nächsten Mal, Ihr Roland Spiegel. The Tunelanders in der Städtischen Galerie im Leeren Beutel La Néréide in der Minoritenkirche St. Salvator

Tage Alter Musik Regensburg 2025 10 BR-KLASSIK „Tafel-Confect“, live von den 40. Tagen Alter Musik Regensburg, am 9. Juni 2025, 12.05 – 14.00 Uhr // Moderation: Detlef Krenge, BR-Klassik (DK), Ilona Hanning, SWR Kultur (IH) RvD: Wolfgang Schicker // Redaktion: Thorsten Preuß (BR), Doris Blaich (SWR) & Detlef Krenge: Heute begrüßen wir Sie am Pfingstmontag aus Regensburg. Ilona HannIng: Und Alte Musik-Fans wissen, wir sind hier bei den Tagen Alter Musik Regensburg. Detlef Krenge: Und wenn ich, beziehungsweise wir, sagen, wir begrüßen Sie, dann sind das in diesem Fall nicht nur die Zuhörer von BR-Klassik. Heute sind wir nämlich für die nächsten zwei Stunden zusammengeschaltet mit SWR Kultur. AmMikrofon sind für Sie Detlef Krenge… Ilona HannIng: …und für SWR Kultur Ilona Hanning. Und jetzt gleich mal hinein ins Festival mit einer ganz frischen Aufnahme vom Samstag mit dem Beggar’s Ensemble aus Frankreich. Musik: Jean-Philippe Rameau „Entrée des peuples“ Aus: „Les Boréades“ Beggar’s Ensemble Detlef Krenge: Das Beggar’s Ensemble mit einer „Entrée“ von Jean Philippe Rameau. Aufgenommen wurde dieses Stück gerade erst vorgestern hier, ganz frisch mit unserem Ü-Wagen bei den vierzigsten Tagen Alter Musik Regensburg. In diesem „Tafel-Confect on Tour“ haben wir wieder einen bunten Blumenstrauß vom Festival für Sie zusammengestellt. Es kommen zwei Gäste zu uns live in die Sendung, wir haben Veranstaltungen besucht, von denen wir berichten werden, und ein Künstlerinnen-Interview. Und jetzt, um uns in die Stimmung hier vor Ort ein wenig besser hineinversetzen zu können, hat sich mein Kollege Wolfgang Schicker bei den Besuchern der Tage Alter Musik ein wenig umgehört und Impressionen eingesammelt. Beitrag: BR-Klassik Tafel-Confect – der Festival-Check Heute: die tage alter Musik regensburg The Beggar’s Ensemble in der Alten Kapelle

Wie ist die Stimmung? Ich bin einfach restlos begeistert von der Atmosphäre. Dass es kein Hype ist, sondern dass Leute da sind, denen es wirklich um die Musik geht, und das macht es sympathisch. Dieser Festivalcharakter, dass man wirklich von Veranstaltung zu Veranstaltung immer wieder die gleichen Leute sieht, fast wie ein Wandel-Konzert. Was gibt’s zu hören? Wenn man für Renaissance-Musik schwärmt, dann ist das hier einfach das Eldorado.Das macht es ja eigentlich aus, dass man sich auf was einlässt, das einem nicht so bekannt ist. Also, ich weiß gar nicht, toppen sich gegenseitig alle, und machen aber alle so etwas Unterschiedliches. Es hat jedes Konzert seinen eigenen Charme und ich habe auch selber schon öfter Ensembles gehört, die ich noch nicht kannte. Und man kann eigentlich darauf vertrauen, dass alles super ist. Wo trifft man sich nach dem Konzern? Ein schönes Café, schönes Restaurant. Wir genießen das Gesamtkonzept. Was ist sonst noch los? Wir befinden uns hier in der Musikinstrumenten-Ausstellung. Wir selbst sind ein kleiner Orgelbaubetrieb aus der Nähe von Augsburg. Ja, wir sind hier eine große Gemeinschaft. Die Instrumentenbauer sind auch untereinander gut befreundet. Vormittags auch mal ins Museum gehen, zum Beispiel das Haus der Bayerischen Geschichte, da waren wir das letzte Mal. Das kurioseste Instrument Naja, es gibt interessante Lauten-Konstruktionen. Heute habe ich zum ersten Mal diese eckige Rahmentrommel gesehen. Und da habe ich gedacht, das ist irgendwie eine moderne Erfindung. Aber der eine Instrumentenbauer in der Ausstellung hat mir dann erklärt, dass es das schon auf alten mittelalterlichen Darstellungen gibt. Flöte, drei Meter, wo kriegt man so was zu sehen? Keine Ahnung, wie das heißt. Ungefähr zwei Meter lang, bringt nur Töne raus, wenn der Spieler fast reinsingt in das Instrument. Warum gerade hier? Also, ich komme aus Luxemburg. Wir sind extra angereist und ich finde es einfach toll, wenn man in den alten Gassen rumläuft und nach jeder Ecke kommt wieder irgendein prachtvolles, schönes Gebäude. Die Stadt ist quirlig. Also wenn man nach dem Nachtkonzert um Viertel nach zwölf heim geht, dann ist hier immer noch was los. Detlef Krenge: Der Festival-Check von Wolfgang Schicker. In diesem Jahr feiern hier in Regensburg gleich zwei Aushängeschilder der Stadt ein Jubiläum. Ilona HannIng: Nämlich die Tage Alter Musik, da gibt es in diesem Jahr die vierzigste Ausgabe, und die Regensburger Domspatzen haben ihr 1050-jähriges Jubiläum – gratuliere! Und weil auch noch der Komponist Giovanni Pierluigi da Palestrina, ein großer Komponist des sechzehnten Jahrhunderts, in diesem Jahr fünfhundertsten Geburtstag hat, war das traditionelle Konzert der Regensburger Domspatzen bei den Tagen Alter Musik zur Eröffnung diesmal im altehrwürdigen Dom. Dort, wo die Musik Palestrinas ja seit vielen, vielen Jahren von den Domspatzen gesungen wird. Aber sie singen natürlich auch Musik von anderen Komponisten. Aus ihrem Eröffnungskonzert jetzt Musik von Hans Leo Hassler. Musik: Hans Leo Hassler Credo Aus: Missa octo vocum Regensburger Domspatzen La Cetra Basel Leitung: Christian Heiß Detlef Krenge: Das „Credo“ aus einer Messe von Hans Leo Hassler, die Regensburger Domspatzen wurden begleitet vom Ensemble La Cetra Basel. Seit vier Jahren gibt es bei den Tagen Alter Musiker Regensburg immer freitags ein Symposium in Zusammenarbeit mit dem Institut für Musikwissenschaft der Universität Regensburg unter der Leitung von Professor Katelijne Schiltz. Da ging es dann natürlich auch um Giovanni Pierluigi da Palestrina, dessen fünfhundertsten Geburtstag wir in diesem Jahr feiern. Ilona, du bist hingegangen, am Freitag. Was für Themen wurden denn dort angesprochen? Ilona HannIng: Ja, Katelijne Schiltz hat dieses Symposium extra für Nicht-Musikwissenschaftler konzipiert. Der Titel lautete „Palestrina zwischen Kirche, Kontrapunkt und Kommerz“. Und man hat natürlich etwas über den Komponisten erfahren, aber auch über die Palestrina-Rezeption im 19. Jahrhundert hier in Regensburg. Da liegen einige Schätze diesbezüglich. Dann hat sich jemand die Mühe gemacht und analysiert, wie CD-Cover mit Musik von Palestrina aussehen und wie sich das im Laufe der Zeit verändert hat, Stichwort Kommerz. Und am Ende haben Katelijne Schiltz und Antonio Chemotti ein Gespräch mit Nigel Short geführt, dem Leiter des Tenebrae Choir, der ja auch in einem der Nachtkonzerte hier aufgetreten ist. Detlef Krenge: Über Palestrina, da ist ja schon viel gesagt und geschrieben worden. Gab es denn überhaupt noch was Neues zu erfahren? Ilona HannIng: Ja, ich fand es ganz spannend, den Vortrag von Professor Antonio Chemotti zu hören. Da ging es nämlich um den Tod Palestrinas. Eine Beerdigung Tage Alter Musik Regensburg 2025 11 Musikbegeisterte Besucher vor der Basilika St. Emmeram

sagt viel aus über den Stellenwert eines Musikers, man denke an Beethoven. Da war fast die Hälfte der Wiener Bevölkerung auf den Beinen, auch der Wiener Adel, und wichtige Wiener Musiker trugen den Sarg oder waren als Fackelträger dabei. Zum Beispiel auch Franz Schubert war bei der Beerdigung, das zeigt ja auch, welchen Stellenwert Beethoven damals hatte. Detlef Krenge: Für uns heute ist Palestrina ja weltweit einer der ganz großen Komponisten der Spätrenaissance. Zeigte sich das dann auch bei seinem Begräbnis, bei seinem Tod, wie zum Beispiel eben auch bei Beethoven? Ilona HannIng: Ja und Nein. Denn Palestrina war ja Kapellmeister der Musikkapelle des Petersdoms, und er hatte eine ehrenamtliche Stelle in der Sixtinischen Kapelle, also der päpstlichen Musikkapelle, und da findet man einen Eintrag zu seinem Tod, in dem es heißt, dass er im Petersdom beerdigt wurde, begleitet von allen Musikern Roms, einer großen Menge des Volkes und Mitglieder der Sixtinischen Kapelle haben das Responsorium „Libera me, Dominum“ gesungen. Aus diesen paar Zeilen hat Professor Chemotti einiges abgeleitet; zum Beispiel, dass eine Menge des Volkes ihm folgte, war schon besonders, aber dass alle Musiker Roms bei der Beerdigung dabei gewesen seien, sagt er, das findet er ein bisschen übertrieben. Dass die Mitglieder der Sixtinischen Kapelle bei der Beerdigung gesungen haben, könnte man meinen, sei etwas Besonderes, ist es aber nicht. Denn das steht quasi in deren Verfassung. Wenn einer ihrer Sänger stirbt, dann haben alle bei der Beerdigung dabei zu sein und für das Seelenheil des Verstorbenen zu singen. Aber was wiederum dort gesungen wurde, das „Libera me“, das war ein Stück, das Palestrina selbst komponiert hat, und das war wiederum besonders. Und außerdem wird sein Tod in den „Avvisi di Roma“, so ein handschriftliches Nachrichtenblatt, erwähnt, zwar nur in drei Zeilen, aber immerhin. Also irgendwie kann man sagen, das Begräbnis von Palestrina war schon in gewisser Weise ein besonderes, aber eher ein römisches Ereignis. Detlef Krenge: Und das hat auch funktioniert, die Gebete haben gewirkt – sein Nachruhm ist ja gigantisch. Du hattest ein weiteres Thema erwähnt, das auch mit Regensburg zusammenhängt, dass die PalestrinaRezeption hier in Regensburg im 19. Jahrhundert sehr speziell war. Das klingt ein bisschen nerdy. Ilona HannIng: Es ist echt spannend, hätte ich gar nicht gedacht. Es gab zu diesem Symposium nicht nur einen Vortrag, sondern auch eine kleine, feine Ausstellung in der Bischöflichen Zentralbibliothek mit originalen Drucken und Handschriften der Werke von Palestrina aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Also ein echter Schatz. Da sieht man zum Beispiel von Vincenzo Galilei, genau, dem Vater von Galileo Galilei, ein Lehrbuch zum Laute lernen, in einemDruck von 1584, also zu Lebzeiten von Palestrina erschienen. Und in dieser Lauten-Schule von Galilei, da gibt es vier Madrigale von Palestrina, die Vincenzo Galilei für Laute eingerichtet hat und als Lauten-Tabulatur niedergeschrieben hat. Oder man hat eine Prachtausgabe der Lamentationen von Palestrina, die für die päpstliche Kapelle hergestellt wurde, mit tollem rotem Einband und päpstlichem Wappen. Detlef Krenge: Zu einer Prunkhandschrift kommen wir auch noch in der zweiten Stunde dieser Sendung, dann im Zusammenhang mit Orlando di Lasso. Spannend ist aber auch in puncto Palestrina, was im 19. Jahrhundert in Regensburg passiert ist. Ilona HannIng: Ja, also der Geistliche und Musikforscher Carl Proske hier in RegensTage Alter Musik Regensburg 2025 12 Prof. Dr. Antonio Chemotti bei seinem Vortrag in Regensburg Intavolierung des Madrigals „Vestiva i colli“

burg, der wollte, dass man in Regensburg im 19. Jahrhundert auch mal wieder die alte Vokalpolyphonie singt und nicht mehr die vom Orchester begleitete geistliche Musik, da war ihm viel zu viel Affekt drin. Er wollte die Verbindung zwischen Kultus, Liturgie und Musik, der reinen und wahren Musik wiederherstellen, und die Werke Palestrinas schienen ihm dafür eben perfekt zu sein. Proske ist dann nach Italien gefahren, hat dort an die 3000 Abschriften gemacht. Man hat in der Ausstellung zum Beispiel auch ein Werk von Palestrina gesehen, das es nur in dieser einen Proske-Abschrift gibt. Proske hat dann auch Werke editiert in seiner Musica Divina. Und da sind eben viele, viele Stücke von Palestrina zu sehen. Und das Spannende fand ich, ganz ohne Angabe von Dynamik. Denn eigentlich weiß man ja, im 19. Jahrhundert sind die Komponisten dazu übergegangen, alles genauestens zu notieren, wo ein Crescendo gemacht werden soll, wo laut und leise gespielt werden soll, und so weiter. Das hat Proske nicht gemacht. Aber er hat dann im Vorwort geschrieben, also, wenn man Palestrina wirklich gut aufführen wolle, dann nehme man doch die und die Besetzung, und da und da drauf solle man noch achten. So ganz hat er das dann doch nicht aus der Hand gegeben. Also ein spannendes Feld, wie ich finde. Infos zu dieser Ausstellung finden Sie dann auch auf der Website der Tage Alter Musik nach dem Festival, also ab Dienstag. Musik: Giovanni Pierluigi da Palestrina „Sicut cervus desiderat“ Tenebrae Choir Leitung: Nigel Short Detlef Krenge: Der Tenebrae Choir aus Großbritannien mit Musik von Pierluigi da Palestrina, dessen fünfhundertster Geburtstag in diesem Jahr gefeiert wird, natürlich auch bei den Tagen Alter Musik in Regensburg. Das war die vierstimmige Motette „Sicut cervus desiderat“ einer der Hits von Palestrina und ein Paradebeispiel für den Palestrina-Stil. Ilona HannIng: Denn dieses Werk hat eine Ausgewogenheit, eine perfekte Balance zwischen Motiven, Melodien und Rhythmik. Es gibt keine starken Kontraste, alle Dissonanzen werden regelkonform vorbereitet und aufgelöst, und der Text bestimmt den Rhythmus der Musik. Das kam gut an in der Katholischen Kirche damals und auch beim Publikum der Tage Alter Musik Regensburg. Detlef Krenge: In diesem Jahr findet das Festival zum vierzigstenMal statt, heuer sind es 16 Konzerte über Pfingsten. Am Anfang aber sah das noch ganz anders aus. Viel kleiner, mit fünf Konzerten ging es los, aber von Anfang an hat das Festival große Namen der Alte Musik-Szene nach Regensburg geholt, und auch Unbekannte, wie zum Beispiel – Il Giardino Armonico. Ilona HannIng: Ja, heute einen Big Name in der Alten Musik, aber damals, in den 1980er-Jahren, eben noch ein No-Name. Die Italiener haben sich 1985 in Mailand gegründet und vier Jahre später,1989, sind sie zum ersten Mal hier bei den Tagen Alter Musik in Regensburg aufgetreten, ihre Deutschlandpremiere. Und so haben Sie damals geklungen: Musik: Antonio Vivaldi Konzert für Blockflöte, Oboe, Violine, Fagott und Basso continuo G-Dur, RV 101 Il Giardino Armonico (Aufnahme Tage Alter Musik Regensburg 1989) Detlef Krenge: Il Giardino Armonico mit einem Konzert von Antonio Vivaldi, aufgenommen bei den Tagen Alter Musik Regensburg und zwar im Jahr 1989, das war damals tatsächlich eine Entdeckung. Es war nämlich das erste Mal, dass dieses inzwischen legendäre Ensemble in Deutschland aufgetreten ist. In diesem Jahr, der vierzigsten Jubiläumsausgabe, gab es auch wieder eine Premiere, allerdings von einem Künstler, der schon lange bekannt ist, und nun zum ersten Mal hier nach Regensburg gekommen ist. Die Dreieinigkeitskirche wurde gestern Abend Schauplatz und Hör-Ort für ein Programm mit geistlicher Musik von Benedikt Anton Aufschnaiter und Heinrich Ignaz Franz BiTage Alter Musik Regensburg 2025 13 Der Tenebrae Choir unter der Leitung von Nigel Short in der Dominikanerkirche St. Blasius

ber. Und bei diesem Programm wird der eine oder die andere vielleicht schon hellhörig, denn das ist das zentrale Repertoire von Ars Antiqua Austria, und der Mensch dahinter ist jetzt bei uns zu Gast im Studio, der Barockgeiger Gunar Letzbor, herzlich willkommen. gunar letzbor: Schön, da zu sein. Detlef Krenge: Gunar Letzbor, das Konzert gestern Abend war eine Premiere für dich. Du bist tatsächlich zum ersten Mal bei dieser Jubiläumsausgabe eingeladen hier bei den Tagen Alter Musik und Du hast auch ein Stück aus der Taufe gehoben, eine moderne Erstaufführung sagt man dazu, von einem Stück, das bislang noch gar nicht wieder erklungen ist seit seiner Entstehungszeit. Das war eine Messe von Aufschnaiter. Wieviel Enthusiasmus ist denn bei dir dabei? gunar letzbor: Also Enthusiasmus gibt es bei mir, seit ich mich mit Alter Musik beschäftige. Und ich bin so viel in den Archiven und finde so viele Dinge, die ich eigentlich verwirklichen will. Die Musik, die im Archiv liegt, die ist ja tot, das ist ja keine Musik, das ist ja sozusagen nur ein Medium, das uns ermöglicht, dann Musik zu machen. Und jedes Mal, wenn dann eine Möglichkeit besteht, dass wirklich Musik erklingt, dann ist es für mich sozusagen eine neue Musik, für mich sind das Uraufführungen. Und ja, diese Messe von Aufschnaiter, das ist ein ganz besonderes Stück; das ist äußerst kunstvoll, aber es ist auch äußerst inniglich. Und es ist auch so ein personeller Stil, den der Aufschnaiter hier pflegt, dass man eigentlich nur begeistert sein kann. Das war dann auch interessant, gestern sind nachher, nach dem Konzert, die Leute nicht gekommen, um dieses Riesenwerk von Biber zu feiern, sondern einfach dieses Erstaunen über diese neue Komposition zu artikulieren, und das freut mich besonders. Und ich kann nur sagen, es warten hunderte, tausende Werke noch auf Wiederbelebung. Detlef Krenge: Also entweder ganz oder gar nicht. Das Publikum goutiert es, die Leute waren aus demHäuschen gestern, und was auch noch eine kleine Besonderheit war, du hast einen Knabenchor dabeigehabt, das waren die Sankt Florianer Sängerknaben, das heißt, sie kommen aus dem Stift Sankt Florian in der Nähe von Linz. Das ist ein berühmter Ort, dem Klassik-Publikum natürlich auch durch Anton Bruckner bekannt, der dort Orgel gespielt hat, aber zu dieser Zeit ja auch schon selbst in einer langen Tradition gestanden hat. Und du selbst bist diesem Ort auch sehr stark verbunden. Du machst da ganz viele von deinen Aufnahmen, was für eine Bedeutung hat denn dieser Ort Sankt Florian für dich? gunar letzbor: Sankt Florian ist natürlich der Ausdruck des österreichischen Barocks. Wenn man das Stift betritt, diese Prachtentfaltung, das erschlägt einen fast, aber im positiven Sinne. Nach einem halben Tag fühlst du dich dort eigentlich fast wie in der Barockzeit. Und was auch bedeutend ist, dass dort alles so in einer Harmonie ist, die ganze Architektur ist in einer Harmonie, das haben sie in der damaligen Zeit wirklich gut gemacht. Dass sie in der Barockzeit auch wirklich eben diese Proportionen in der Architektur verwirklichen konnten. Und das bringt einen dann auch innerlich in eine Harmonie. Das sind einfach wichtige Dinge, die auch fürs Musizieren, glaube ich, entscheidend sind. Detlef Krenge: Das heißt, es geht um das Eintauchen komplett in diesen Kosmos, in die Zeit, die sich in Sankt Florian architektonisch verwirklicht. Damit ganz eng in Zusammenhang steht etwas, das konnte man auch gestern beim Konzert gut sehen. Da waren insgesamt drei Orgeln positioniert, und an einer Stelle, da hat die Orgel gefehlt. Und an dieser Stelle waren dann gleich drei große Lauteninstrumente nebeneinander und haben ein Continuo gebildet. Und das ist auch mit Österreich sehr eng verbunden, das heißt nämlich das Salzburger LautenContinuo – und das hast du mit deinem Ensemble entdeckt. gunar letzbor:Ja, das hat Hubert Hoffmann vor einigen Jahren entdeckt, als er im Stift Kremsmünster recherchiert hat, wo sich eine große Lauten-Sammlung befindet und auch Noten-Material für Laute, Solo-Laute zum Teil. Und da hat man gesehen, dass eben die Verbindungen nach Salzburg sehr groß sind, und hat dann weitergeforscht im Salzburger Domarchiv und so weiter, und ist dann drauf gekommen, dass dort eben so eine richtige Consort-Bildung mit LautenInstrumenten stattgefunden hat. Schon am Anfang des 17. Jahrhunderts, das hat bis Biber gereicht, also bis zum Ende seiner Laufbahn dort in Salzburg. Und das Besondere ist, dass da auch wieder die Relationen sind. Es sind drei verschieden große Lauten, also von einer ganz kleinen Laute, die oben ist, zu einer riesigen Laute in der Mitte, die sozusagen diese Mittellagen und die Akkorde macht, und unten der Colascione, der dann das Bassfundament gibt. Und da sind wir am Experimentieren, weil diese Instrumente zum Teil im Museum erhalten sind, man aber nicht genau weiß, welche von diesen Instrumenten dann wirklich dieses Lautenconsort gebildet haben. Man weiß aber, dass es drei waren, und in dieser Relation. Und so ein paar Jahre machen wir das jetzt schon und es wird immer stimmiger. Wichtig ist einfach die Proportion, auch von den Größen, dass das dann vom Klang her zusammenpasst. Es ist ähnlich wie bei den Geigen-Instrumenten, die Bratsche steht immer in einer Proportion zur Geige, zum Cello oder zumViolone. Und da sind wir jetzt genau dort, umwas es geht, um die Proportionen, auch in der Musik, beim Biber. Also, drei Chöre, es kommt oft diese Zahl. Warum? Dreieinigkeit. Das ist sind natürlich lauter Symbole, die sich da verwirklichen, und die Proportionen zum Beispiel im Salzburger Dom, die waren damals so, dass das eigentlich funktioniert hat mit der Mehrchörigkeit. Heute funktioniert das nicht mehr, denn die Emporen wurden abgerissen. Und wenn man heute dorthin geht und mit den neuen Emporen musiziert, funktioniert das überhaupt nicht mehr. Also, man kann das nicht einfach nachmachen. Man muss auch die Idee nachvollziehen. Detlef Krenge: Ein sehr spannendes Thema, das auch verdeutlicht, dass Musik eben – natürlich eine Binsenweisheit – sehr viel mit Klang zu tun hat. Also nicht nur mit dem, was man aufschreibt, sondern was hinterher tatsächlich erklingt. Darüber könnten wir stundenlang weiterreden, leider müssen wir jetzt damit aufhören. Wir haben aber noch ein Beispiel. VomKonzert gestern haben wir leider keinen Mitschnitt zur Verfügung, deswegen hören wir jetzt dieses Salzburger Lauten-Continuo auf einer CD von Dir an, bei einer Biber-Sonate, einer wunderschönen Passacaglia. Und ich möchTage Alter Musik Regensburg 2025 14 Gunar Letzbor mit einführenden Worten beim Konzert in der Dreieinigkeitskirche

te mich ganz herzlich bei Dir bedanken, dass Du heute hier zu uns ins Studio gekommen bist. gunar letzbor: Ja, danke euch, gern. Musik: Heinrich Ignaz Franz Biber Passacagli Aus: Sonate für Violine und Basso continuo Nr. 6 c-Moll Gunar Letzbor, Violine Ars Antiqua Austria Ilona HannIng: Der Barockgeiger Gunar Letzbor und sein Ensemble Ars Antiqua Austria mit Musik von Heinrich Ignaz Franz Biber. Das war die „Passacaglia“ aus der Geigensonate in c-Moll, das ist die sechste Sonate aus den acht Sonaten, die 1681 in Nürnberg herausgekommen sind. Detlef Krenge: BR-Klassik und SWR Kultur mit dem „Tafel-Confect“ live von den Tagen Alter Musik in Regensburg. Die Stadt an der Donau kennt auch die Sopranistin Dorothee Mields sehr gut. Als Teenagerin ist sie nämlich in den 1980er-Jahren nach Regensburg gefahren, und zwar mit ihrer modernen Geige im Gepäck. Sie hat dort Straßenmusik gemacht – und weil ihr Geigenlehrer ihr kurz vorher etwas von Barockgeigen erzählt hat und sie neugierig war, ist sie auch in ein oder zwei Konzerten bei den Tagen Alter Musik gewesen und wollte das mal live hören und erleben. Und das ist für sie dann tatsächlich der ultimative Schubs gewesen, um in die Alte Musik zu gehen und Barockmusik zu machen, wie sie selbst sagt. Ilona HannIng: Was für eine Geschichte! Damals hat sie in Regensburg auf der Straße Geige gespielt, und heute füllt sie die Schottenkirche, denn sie ist einer der großen Sängerinnen für Alte Musik. Zusammen mit einer weiteren großen Sopranistin aus der Szene, mit Hana Blažiková und demHathor Ensemble, hat sie das erste Nachtkonzert hier bei den Tagen Alter Musik in Regensburg gestaltet, und zwar mit Musik von Barbara Strozzi. Für mich persönlich ein Highlight bei den Tagen Alter Musik. Dorothee Mields hat die Komponistin Barbara Strozzi mal als Punk-Rockerin bezeichnet, weil sich diese Komponistin im 17. Jahrhundert über alle Konventionen hinweggesetzt hat. Vor dem Konzert konnte ich mit Dorothee Mields sprechen, und da habe ich sie gefragt, welche Konventionen hat denn die Punkrockerin Barbara Strozzi damals gebrochen, Frau Mields? DorotHee MIelDs: Sie hatte zwei hervorragende Lehrer, Francesco Cavalli und Claudio Monteverdi, und hat sozusagen den Weg, den sie genommen haben mit der sogenannten „Seconda pratica“, dass der Text die Musik regiert, man durch die Musik Emotionen ausdrückt und sehr, sehr subjektiv wird – den Weg hat sie sehr radikal einfach weiter fortgeführt. In der Wahl ihrer Harmonien, in der Wahl, wie sie Generalbass benutzt hat und Dissonanzen ausgelebt hat, zum Teil wird das abenteuerlich: wie sie mit Querständen arbeitet, zum Beispiel, wie Dissonanzen einfach wirklich physisch erfahrbar werden, um dann den entsprechenden Ausdruck von irgendeinemHerzensleid, was sie gerade mal wieder hat, auszudrücken. Sie weiß durch ihre gute kompositorische Ausbildung von allen Regeln der Zeit, um sich dann extrem souverän über dieselben hinwegzusetzen. Das finde ich sehr sympathisch. Ilona HannIng: Dass sie als Komponistin damals, im siebzehnten Jahrhundert, schon zu Lebzeiten so einen guten Ruf hat und so erfolgreich war, hat sie ja bestimmten Umständen zu verdanken, unter anderem auch ihremVater. Was hat er denn alles für sie getan, damit seine Tochter tatsächlich diese Karriere als komponierende Frau damals machen konnte? DorotHee MIelDs: Zum einen hat er sie finanziell beschützt sozusagen, also, dass sie frei von Geldsorgen war und von daher schon einfach sehr frei komponieren konnte, weil sie ja auch verlegt wurde. Sie war gesellschaftlich durch ihn geschützt, einmal dadurch, dass er sie als leibliche Tochter angenommen hat, was nicht so selbstverständlich ist. Sie war eigentlich die Tochter einer freien Kurtisane, die aber dann als Bedienstete im Vaterhause angenommen war. Wie weit sie das dann wirklich auch als Bedienstete ausgeübt hat, weiß man nicht. Jedenfalls hat er sie als leibliche Tochter anerkannt, was dadurch alles geändert hat für sie, also den ganzen weiteren Lebensweg. Und er hat sie sehr, sehr frei in allen Künsten und allen Wissenschaften unterrichtet oder eine Ausbildung zukommen lassen, was für die Zeit und für eine Frau extrem ungewöhnlich ist. Sie war sicherlich auch sehr intelligent, das ist auf sehr fruchtbaren Boden gefallen. Aber das wissen wir von anderen späteren FrauTage Alter Musik Regensburg 2025 15 Das Salzburger Lautenensemble: v. l. n. r. Hubert Hoffmann, Laute, Jakub Mitrik, Laute, Peter Trefflinger, Basso di Viola, Daniel Oman, Laute, Erich Traxler, Orgel

enschicksalen, trotz super klugen Hirnzellen, wie schwer sie es hatten, trotzdem ihren Fuß, ihren Platz in der Männerwelt zu finden. Er hat eine Gesellschaft, eine Academia gegründet, in der sich die Intellektuellen Venedigs getroffen und ausgetauscht haben. Ja, und man hielt sich gerne in ihren Salons auf, weil sie offenbar auch eine sehr, sehr gute Gesellschaft war, also sehr unterhaltsam, klug, sehr witzig. Jetzt weiß ich nicht, ob ich die Geschichte irgendwie nochmal ganz hinkriege: Sie stellte diese Frage, Leute, was ist die höhere, wahrhaftigere Kunst, die Musik oder die Emotionen, die Tränen oder der Gesang? Und man sagte: Ja, die Tränen sind wahrhafter. Und sie sagte, nein, falsch. Hätte ich euch jetzt auf eine Stunde Unterhaltung durch Tränen eingeladen, wärt ihr alle weggeblieben. Jetzt aber habe ich euch eingeladen auf eine Stunde voll Gesang mit dem Thema Tränen, und ihr hört alle gebannt zu und seid hier. Wirklich sehr klug. Ilona HannIng: Sie hat ja sehr ausdrucksstark komponiert, haben Sie auch gerade schon erwähnt, und war auch sehr witzig und ironisch teilweise. Würden Sie sagen, steht die Musik von Barbara Strozzi auf einer Stufe mit der ihrer männlichen Zeitgenossen, eines Cavalli zum Beispiel, und auch eines Monteverdi? DorotHee MIelDs: Locker! Also ja, auf jeden Fall. Sie ist anders, sie ist sehr eigen. Was eigentlich nur unterstreicht, dass sie auf einem Level mit den Großen ihrer Zeit steht. Ich glaube, nur wenige Männer haben zu Lebzeiten so viel veröffentlicht wie sie. Das ist schon außergewöhnlich. Auf der Suche für dieses Konzertprogramm – und die CD kommt dann ja auch noch im Laufe des Jahres raus – sind wir durch das ganze Oeuvre gegangen und wir haben sehr viel angeschaut. Und ich muss sagen, ich habe da nichts Weichgespültes gefunden, wo ich dachte, okay, naja, das hat sie jetzt mal irgendwie auf dem Klo komponiert oder so, sondern das hat einfach alles ein sehr großes, hohes Niveau und bringt Aussagen immer auf den Punkt. Sie braucht wenige Takte, um eine Atmosphäre zu schaffen, sondern zack, ist gleich da. Also immer. Musik: Barbara Strozzi „Begli occhi“ op. 3/9 Dorothee Mields, Sopran Hana Blažíková, Sopran Hathor Consort Leitung: Romina Lischka Detlef Krenge: Musik von Barbara Strozzi mit Dorothee Mields, Hana Blažiková und demHathor Consort. Circa 500 Meter Luftlinie von hier, vom BR-Studio Regensburg, steht das Schloss der Fürsten von Thurn und Taxis. 1792 tritt dort einer der ganz großen Oboisten seiner Zeit auf, Ludwig Ramm. Ramm ist Oboist der berühmten Mannheimer Hofkapelle. Wolfgang Amadeus Mozart hat mehrere Werke für ihn komponiert, und Ramm tritt damals in ganz Europa auf, unter anderem eben auch hier am Hof von Thurn und Taxis. Wenn so ein Musiker, so ein Big Name, nach Regensburg kommt, dann will man ihm auch etwas bieten. Also hat Theodor von Schacht, der damalige Intendant der Hofmusik des Fürsten von Thurn und Taxis, ein Werk komponiert. Ilona HannIng: Aber kein Solokonzert, wie man vielleicht vermuten würde, sondern eine „Concertante a tre oboi principale“, also eine Orchestermusik mit drei solistischen Oboen. Das heißt, er muss zwei richtig gute Oboisten in der eigenen Hofkapelle in Regensburg gehabt haben, weil dieses Werk wirklich sehr virtuos ist für die Solo-Oboen. Die Solo-Oboistin der Akademie für Alte Musik, Xenia Löffler, hat dieses Werk aufgenommen und bei den Tagen Alter Musik Regensburg heuer live gespielt. Dazu hat sie sich ihren Kollegen Michael Bosch geschnappt und den Oboisten Alfredo Bernardini und zusammen mit der Batzdorfer Hofkapelle haben die drei dieses Werk in der Basilika Sankt Emmerammusiziert. Daraus jetzt der dritte Satz. Musik: Theodor von Schacht Concertante a tre oboi principale B-Dur für 3 Solo-Oboen, 2 Hörner, Streicher und Basso continuo 3. Satz: Rondeau Allegretto Xenia Löffler, Alfredo Bernardini und Michael Bosch, Oboe Batzdorfer Hofkapelle Leitung: Daniel Deuter Detlef Krenge: Musik, die hier in Regensburg amHof des Fürsten von Thurn und Taxis gespielt wurde im 18. Jahrhundert, gar nicht weit entfernt vom Regensburger Studio. Dies war ein Satz aus dem „Concertante a tre oboi principale“ von Theodor von Schacht, damals Intendant der Hofmusik. An den drei Oboen hörten sie Xenia Löffler, Alfredo Bernardini und Michael Bosch, sie haben zusammen mit der Batzdorfer Hofkapelle gespielt. Ilona HannIng: Das Tafel-Confect von BRKlassik und SWR Kultur live von den Tagen Alter Musik hier in Regensburg. Neben meinem Kollegen Detlef Krenge und mir steht jetzt einer der beiden Männer, der dieses Festival mitgegründet hat und es bis heute leitet. Ludwig Hartmann, grüß Dich Ludwig. luDwIg HartMann: Hallo, Grüß Gott. Ilona HannIng: Wir duzen uns, weil wir uns schon länger kennen. Ludwig, Du hast selbst Barock-Oboe gespielt. Und wenn du Tage Alter Musik Regensburg 2025 16 Dorothee Mields und Hana Blažíková bei ihrem Konzert mit dem Hathor Consort in der Schottenkirche St. Jakob

jetzt gerade die drei klassischen Oboen gehört hast, juckt’s dich da nicht in den Fingern, das Instrument wieder rauszuholen? luDwIg HartMann: Eigentlich nicht, weil die Virtuosität und die Klasse, die die drei da geliefert haben, da bin ich kilometerweit entfernt, und ich höre mir das dann lieber in einer guten Qualität an, als dass ich da rumdilettiere. Nein, das ist nichts mehr für mich. Ilona HannIng: Aber die drei einzuladen mit dieser Musik, das war quasi so ein Geschenk an Dich selbst, zum Jubiläum, oder? luDwIg HartMann: Ja, wir haben uns natürlich gedacht, was man zum 40-jährigen Besonderes machen kann. Da stand das ganz oben auf der Liste, wir haben ja das Programm schon vor zwei Jahren konzipiert. Und da war das ein Highlight für mich, dass man so was mal macht, die Verbindung der Stadt mit dem fürstlichen Schloss und der Musik, die da existiert. Und so ist es entstanden. Also Ausgangspunkt war schon der Schacht, und dann haben wir gesagt, nehmen wir noch etwas, was noch interessant ist, was in der Bibliothek vorhanden ist. Und so hat sich dann die Xenia Löffler drum gekümmert und hat ein wunderbares Programm zusammengestellt. Ilona HannIng: Apropos Geschenk, wir haben da auch etwas für dich. beitrag: umfrage unter den Helferinnen und Helfern von wolfgang schicker: Also, Pfingsten ist jedes Jahr gesetzt. Ich glaube, für alle, die hier sind, ist das schon lange gesetzt. Pfingsten findet hier statt. Da denken wir nicht mehr darüber nach, dass das Feiertag ist. Das ist ein bisschen wie ein Familientreffen. Das heißt, man sieht sich zum Teil nur einmal im Jahr und hat das Gefühl, dass man an einer Sache zusammenarbeitet und jeder dann mit Herzblut dabei ist. Es ist wie so eine fünfte Jahreszeit für mich. Mittlerweile ist auch meine Nichte mit dabei, die auch wiederum schon Kinder hat, und das pflanzt sich wirklich so ein bisschen fort in der Familie, aber auch darüber hinaus. Also wir treffen uns immer Pfingsten hier und freuen uns aneinander und erzählen dann auch, was da so war letztes Jahr. Das ist einfach so eine Familie, die daraus geworden ist, schon was sehr Spannendes. Also, ich glaube, bei uns ist es halt mehr so „just do it“. Wenn irgendwo anzupacken ist, dann packt jemand an. Ich glaube, ihrer Linie sind die Veranstalter immer treu geblieben: Möglichst wenig Pomp und möglichst wenig selber im Vordergrund stehen, eigentlich immer, dass die Musiker im Vordergrund sind. Es ist natürlich mit der Zeit für uns Organisatoren zum Beispiel das Handy dazukommen, wo man sich jetzt besser absprechen kann und so. Aber ansonsten ist es immer noch ein Festival, das einzigartig ist. Detlef Krenge: Das war eine Umfrage bei den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, die Jahr für Jahr hier, bei den Tagen Alter Musik Regensburg, mit anpacken, etwa 50 bis 60 Leute, und man hat sehr schön geTage Alter Musik Regensburg 2025 17 Xenia Löffler, Alfredo Bernardini und Michael Bosch beim Konzert in der Basilika St. Emmeram STIMMEN ZUM FESTIVAL TAGE ALTER MUSIK 2025 Ein großartiges Programm! Ich bin jedes Jahr immer aufs Neue begeistert! Rainer Alexander Gimmel, Besucher

hört: Es gibt hier diesen familiären Touch, es kennen sich alle untereinander, es gibt auch beim Publikum viele Stammgäste, auch die Anbindung der Künstler an das ganze Team ist sehr innig, es herrscht ein ungezwungener Ton. Ludwig, ist das Absicht, dass ihr keins von diesen Hochglanz-Festivals seid, sondern einen ganz lockeren und engen Umgangston pflegt? luDwIg HartMann: Ja, das möchte ich schon so sagen. Es gibt viele Negativbeispiele, und da wollen wir uns eigentlich nicht damit identifizieren. Unser Ton ist eben ein anderer. Bei uns geht es wirklich locker zu und die Leute haben alle Interesse an der Musik. Auch die Mitarbeiter, die hören sich auch zum Teil die Konzerte mit an, und der ganze Umgangston, es geht halt ums Festival. Es geht nicht um Personen, es geht ums Festival, und das ist schon ganz gut in den Stimmen gehört worden, in den Reaktionen. Und das fand ich gut. Ilona HannIng: Dieses Festival hat ja mal ganz klein angefangen. Ihr seid mit einer Idee im Kopf in den Zug gestiegen, nach Utrecht zum Alte-Musik-Festival, und Jan Nuchelmans, der Begründer dort vom Festival, der hat im Vorwort geschrieben: Ja, also, da kamen die Jungs aus Regensburg, hatten einen Zettel dabei, haben sich irgendwas auf den Zettel geschrieben, und er weiß aber verdammt nochmal bis heute nicht, was auf diesem Zettel stand. Ludwig, was habt ihr euch aufgeschrieben, was habt ihr da mitgenommen? luDwIg HartMann: Wir haben uns Fragen zusammengestellt, wie das organisatorisch funktioniert, mit den Kirchen. Dort in Utrecht ist das ja ähnlich wie bei uns, also an verschiedenen Konzertorten. Wie sind die Zeiträume, wann finden Konzerte statt, es gibt ja auch die Nachtkonzerte und so. Und das hat uns alles dort sehr beeindruckt. Und wir haben gesagt, das müssen wir in Regensburg auch machen, weil die Stadt gibt es her. Auch in Utrecht ist alles fußläufig zu erreichen, das ist in Regensburg genauso. Und so wurde diese Idee geboren, und wir sind halt auch Fans dieser Musik. Das kommt natürlich ganz entscheidend dazu. Ilona HannIng: Und einen Musiker der ersten Stunde bei den Tagen Alter Musik, den hören wir jetzt. Damals noch amAnfang seiner Karriere, heute ein Big Name mit einem enormen Wissen rund um die Alte Musik, Reinhard Goebel. Der Bayerische Rundfunk war von Anfang an mit dabei und deshalb können wir jetzt den jungen Goebel bei den Tagen Alter Musik in Regensburg hören. Eine Aufnahme aus den Achtzigern. Musik: Johann Sebastian Bach aus: Sonate für Violine und Cembalo Nr. 6 GDur, BWV 1019a 4. Satz: Adagio 3. Satz: Cantabile, ma un poco adagio Reinhard Goebel (Barockvioline) Robert Hill (Cembalo) (Aufnahme bei den Tagen Alter Musik 1984) Detlef Krenge: Musik von Johann Sebastian Bach war das, mit Reinhard Goebel. Und tatsächlich eine Aufnahme aus dem allerersten Jahrgang der Tage Alter Musik Regensburg aus dem Jahr 1984. Ludwig, hast Du noch Erinnerungen an diesen Auftritt von Goebel damals? luDwIg HartMann: Ja, ich kann mich erinnern. Es war imHerzogssaal, der jetzt leider als Konzertsaal nicht mehr zur Verfügung steht. Er war mit Musica Antiqua Köln da, also mit seiner ganzen Gruppe, da haben wir das Abschlusskonzert gemacht. Und das war so ein Bach-Sonaten-Vormittag, eine Matinee – das ist alles, was ich noch weiß. Ilona HannIng: Heute ist Reinhard Goebel ja eine Institution in der Szene. Und ich frage mich immer, ihr seid ein bedeutendes Festival, aber ihr habt nur einen kleinen Etat, einen sehr geringen finanziellen Spielraum. Wie schafft ihr es immer wieder, diese Big Names hier nach Regensburg zu holen? luDwIg HartMann: Ich glaube, wir haben einen guten Ruf in der Szene. Mittlerweile ist es so, dass die Musiker glauben, dass es wichtig ist für ihr Portfolio, wie man so schön sagt, dass sie mal in Regensburg aufgetreten sind. Wir haben einen guten Namen, und dann werden die auch besser gebucht. Das ist der entscheidende Punkt. Und es spricht sich rum, was wir bieten und was wir leisten können: das ist eine Rundumversorgung von Probenmöglichkeiten und Generalproben. Und sie wissen, es ist ein wahnTage Alter Musik Regensburg 2025 18 Konzertkasse und CD-Verkauf in der Minoritenkirche vor dem Konzert mit dem Ensemble La Néréide

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