Tage Alter Musik – Almanach 2025

burg, der wollte, dass man in Regensburg im 19. Jahrhundert auch mal wieder die alte Vokalpolyphonie singt und nicht mehr die vom Orchester begleitete geistliche Musik, da war ihm viel zu viel Affekt drin. Er wollte die Verbindung zwischen Kultus, Liturgie und Musik, der reinen und wahren Musik wiederherstellen, und die Werke Palestrinas schienen ihm dafür eben perfekt zu sein. Proske ist dann nach Italien gefahren, hat dort an die 3000 Abschriften gemacht. Man hat in der Ausstellung zum Beispiel auch ein Werk von Palestrina gesehen, das es nur in dieser einen Proske-Abschrift gibt. Proske hat dann auch Werke editiert in seiner Musica Divina. Und da sind eben viele, viele Stücke von Palestrina zu sehen. Und das Spannende fand ich, ganz ohne Angabe von Dynamik. Denn eigentlich weiß man ja, im 19. Jahrhundert sind die Komponisten dazu übergegangen, alles genauestens zu notieren, wo ein Crescendo gemacht werden soll, wo laut und leise gespielt werden soll, und so weiter. Das hat Proske nicht gemacht. Aber er hat dann im Vorwort geschrieben, also, wenn man Palestrina wirklich gut aufführen wolle, dann nehme man doch die und die Besetzung, und da und da drauf solle man noch achten. So ganz hat er das dann doch nicht aus der Hand gegeben. Also ein spannendes Feld, wie ich finde. Infos zu dieser Ausstellung finden Sie dann auch auf der Website der Tage Alter Musik nach dem Festival, also ab Dienstag. Musik: Giovanni Pierluigi da Palestrina „Sicut cervus desiderat“ Tenebrae Choir Leitung: Nigel Short Detlef Krenge: Der Tenebrae Choir aus Großbritannien mit Musik von Pierluigi da Palestrina, dessen fünfhundertster Geburtstag in diesem Jahr gefeiert wird, natürlich auch bei den Tagen Alter Musik in Regensburg. Das war die vierstimmige Motette „Sicut cervus desiderat“ einer der Hits von Palestrina und ein Paradebeispiel für den Palestrina-Stil. Ilona HannIng: Denn dieses Werk hat eine Ausgewogenheit, eine perfekte Balance zwischen Motiven, Melodien und Rhythmik. Es gibt keine starken Kontraste, alle Dissonanzen werden regelkonform vorbereitet und aufgelöst, und der Text bestimmt den Rhythmus der Musik. Das kam gut an in der Katholischen Kirche damals und auch beim Publikum der Tage Alter Musik Regensburg. Detlef Krenge: In diesem Jahr findet das Festival zum vierzigstenMal statt, heuer sind es 16 Konzerte über Pfingsten. Am Anfang aber sah das noch ganz anders aus. Viel kleiner, mit fünf Konzerten ging es los, aber von Anfang an hat das Festival große Namen der Alte Musik-Szene nach Regensburg geholt, und auch Unbekannte, wie zum Beispiel – Il Giardino Armonico. Ilona HannIng: Ja, heute einen Big Name in der Alten Musik, aber damals, in den 1980er-Jahren, eben noch ein No-Name. Die Italiener haben sich 1985 in Mailand gegründet und vier Jahre später,1989, sind sie zum ersten Mal hier bei den Tagen Alter Musik in Regensburg aufgetreten, ihre Deutschlandpremiere. Und so haben Sie damals geklungen: Musik: Antonio Vivaldi Konzert für Blockflöte, Oboe, Violine, Fagott und Basso continuo G-Dur, RV 101 Il Giardino Armonico (Aufnahme Tage Alter Musik Regensburg 1989) Detlef Krenge: Il Giardino Armonico mit einem Konzert von Antonio Vivaldi, aufgenommen bei den Tagen Alter Musik Regensburg und zwar im Jahr 1989, das war damals tatsächlich eine Entdeckung. Es war nämlich das erste Mal, dass dieses inzwischen legendäre Ensemble in Deutschland aufgetreten ist. In diesem Jahr, der vierzigsten Jubiläumsausgabe, gab es auch wieder eine Premiere, allerdings von einem Künstler, der schon lange bekannt ist, und nun zum ersten Mal hier nach Regensburg gekommen ist. Die Dreieinigkeitskirche wurde gestern Abend Schauplatz und Hör-Ort für ein Programm mit geistlicher Musik von Benedikt Anton Aufschnaiter und Heinrich Ignaz Franz BiTage Alter Musik Regensburg 2025 13 Der Tenebrae Choir unter der Leitung von Nigel Short in der Dominikanerkirche St. Blasius

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