Tage Alter Musik – Almanach 2025

grammmit nach Regensburg gebracht. Zum Auftakt und gleichsam als thematische Einführung erklang die Trauerode, die 1727 anlässlich des Todes der Christiane Eberhardine von Brandenburg-Bayreuth aufgeführt wurde. Das achtköpfige Vokalensemble, durchweg auswendig singend, und die Instrumentalisten um Konzertmeister George Clifford (Violine) präsentierten sich ein weiteres Mal in Bestform, ließen musikalisch kaum Wünsche offen. – Das galt auch für das Hauptwerk des Programms, das nach einer sehr kurzen Pause zu erleben war. 1729 wurde zum Gedenken an den verstorbenen Fürsten Leopold von Anhalt-Köthen – Bachs früherem Dienstherrn – die sogenannte „Köthener Trauermusik“ aufgeführt. Anders als im Fall der Trauerode ist die Musik allerdings verschollen. Nur der Text ist überliefert. Chad Kelly und Jonathan Sell haben den Versuch einer Rekonstruktion der Trauermusik unternommen, indem sie auf Sätze aus der Matthäus-Passion und der Trauerode zurückgegriffen haben. Lediglich eine Fuge über „Wir haben einen Gott, der hilft“ komponierte Kelly durchaus gekonnt im Stile Bachs neu. – Letztlich offenbarte sich an diesem Abend das Problem der Rekonstruktion verschollener Werke an sich. Wo ist der Zugewinn? Der Text ist erhalten, die Musik auch, nur an anderer, geeigneterer Stelle. Die wunderschöne Bass-Arie „Komm, süßes Kreuz“, in der Erstfassung der Matthäus-Passion mit obligater Laute, erklang nun auf den Text „Lass, Leopold, dich nicht begraben“. Wir kennen Bachs Praxis, Sätze aus Gelegenheitskompositionen in Werke von „bleibendem Wert“ einzuarbeiten. Das Weihnachtsoratorium und die H-MollMesse verdanken dieser Praxis ihre Existenz. Muss man den umgekehrten Weg gehen? Mir fehlte in der wiedererstandenen „Köthener Trauermusik“ die Stringenz, der rote Faden, zumal die Akteure beinahe nach jedem Satz ihre Positionen wechselten. Nach mehr als zweieinhalb Stunden in den Kirchenbänken der Dreieinigkeitskirche (s.o.) wurde das Publikummit dem Schlusschor „Die Augen sehen nach deiner Leiche“ (besser bekannt als „Wir setzen uns mit Tränen“ aus der Matthäus-Passion) entlassen. Zurecht brandete großer Applaus auf, denn die Interpretationen der beiden Trauermusiken war herzerwärmend und großartig. Dass Johann SebasTage Alter Musik Regensburg 2025 28 Into the Winds im Reichssaal Solomon’s Knot in der Dreieinigkeitskirche

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