Tage Alter Musik – Programmheft 2019
59 T age a LTeR M USIK R egenSBURg Konzert 10 Der italienische Tenor Valerio Contaldo wuchs imWallis auf und studierte klassische gitarre in Sion und Paris. Daraufhin folgte ein gesangs- studium bei gary Magby im Konservatorium in Lausanne mit anschließendem Diplom. Valerio Contaldo besuchte Meisterkurse von Christa Ludwig, Klesie Kelly und David Jones und war im Jahr 2008 Finalist des internationalen Johann- Sebastian-Bach-Wettbewerbs in Leipzig. er arbeitete bereits mit Dirigenten wie Michel Cor- boz, Ton Koopman, Marc Minkowski und Phil- ippe Pierlot zusammen. Sein Konzertrepertoire umfasst unter anderem Werke wie Mozarts „Requiem“, „Die Schöpfung“ und „Die Jahres- zeiten“ von Haydn, die „Petite Messe Solenelle“ von Rossini, den „Messias“ und die „Brockes- Passion“ von Händel sowie die „Messa di glo- ria“ von Puccini. als Solist war Valerio Contaldo gast beim Klassik-Festival la folle journée in nantes, beim Festival de Beaune, beim Settem- bre Musica in Mailand und Turin und beim Festival in Vancouver. Der italienische Bassist Matteo bellotto studierte zunächst Klarinette und Schulmusik in Bologna, ehe er sich dem privaten gesangsstudium wid- mete. Seit 2007 sang er mehrfach die Rolle des Plutone in Monteverdis „L’orfeo“, u.a. 2008 mit dem ensemble La Venexiana, mit dem er auch eine hochgelobte CD-einspielung der oper aufnahm. Tourneen mit La Venexiana führten den Sänger durch ganz europa und in die USa. 2008 debütierte Bellotto als Seneca in Monteverdis „L’incoronazione di Poppea“; daneben sang er auch die Bach-Messen unter gustav Leonhardt. Regel- mäßig arbeitete Bellotto mit demorchestra und Coro della Radio Svizzera Italiana zusammen. 2009 sang er unter Rinaldo alessandrini beim Festival in ambronay, wo er im Folgejahr als Dio in „II diluvio universale“ gas- tierte. Des Weiteren trat Bellotto 2013 als Radamanto in Caccinis „euridice“ sowie 2015 als Pastore in Monteverdis „L’orfeo“ u. a. in Ferrara, Mailand und Seattle auf. als euphrat wirkte er bei der aufführung von Falvettis „nabucco“ unter Leonardo garcía alarcón mit. 2015 sang er an der opéra Royal de Versailles, gastspiele führten ihn zuletzt u.a. nach amsterdam, Beaune, Mailand und Turin. zum Programm: Carmina Latina – eine Klangreise in die neue Welt am 3. august 1492 brach eine kleine Flotte aus der andalusischen Hafen- stadt Palos auf. an Bord des Flaggschiffs Santa Maria war der Italiener Christoph Kolumbus, der sich im auftrag der aragonischen Krone Rich- tung asien aufmachte. Doch wie man aus der geschichte weiß, führte ihn der Seeweg irrtümlicherweise zu einem unbekannten Ziel. Und so stran- dete er zwei Monate später an den Ufern einer Insel der Bahamas. auf sei- ner zweiten Fahrt entdeckte Kolumbus dann Kuba. 1498 betrat er schließ- lich den südamerikanischen Kontinent und öffnete damit endgültig für die spanische See- und Weltmacht das Tor zur neuen Welt. nach der eroberung amerikas brachten schon bald spanische und portu- giesische geistliche ihren glauben ins ferne Lateinamerika. Von Mexiko bis argentinien wurden dafür Kirchen und Klöster gebaut. Und für die entsprechende musikalische Liturgie benötigte man Sänger, Kapellmeister, Musiker und orgeln. aus Spanien wagten somit auch zahllose Kompo- nisten den Schritt über den großen Teich. Und einige dieser Musiker sollten sich tatsächlich für immer in Lateinamerika niederlassen – wie beispiels- weise Juan de araujo und Tomás de Torrejón y Velasco in Peru sowie der Portugiese gaspar Fernandes, der in Mexiko Karriere machte. Diese Kom- ponisten und ihre Werke, die sich nicht zuletzt in den umfangreichen Musikbibliotheken der großen Kirchen Lateinamerikas befinden, sind jetzt Teil der faszinierenden Klangabenteuerreise „Carmina Latina“. Zugleich tauchen im Programm stets namhafte Komponisten auf, die nicht nur maß- geblich am aufstieg Spaniens zu einer der führenden Musiknationen ab dem 16. Jahrhundert beteiligt waren. Wenngleich etwa Diego José de Sala- zar und Mateo Flecha Zeit ihres Lebens in Spanien lebten und arbeiteten, gelangten nachweislich Werke von ihnen per Schiff nach Lateinamerika. Bevor aber die musikalische Schatzkiste mit ihren geistlichen und welt- lichen gesängen des 16., 17. und frühen 18. Jahrhunderts geöffnet wird, erklingt gleich zu Beginn eine musikhistorische Rarität. es ist der im Rah- men des Marienkults bis heute in Lateinamerika gesungene Prozessions- gesang „Hanacpachap cussicuinin“. Bei diesemmagisch strengen, aber den- noch unüberhörbar von der Volksmusik aromatisierten gesang handelt es sich um das erste polyphone geistliche Werk in dem lateinamerikani- schen Idiom „Quechua“. Zu finden ist es in einem Band, den der Franzis- kanermissionar Juan Pérez Bocanegra 1631 herausgab. Mit Matheo Romero begegnet man einem Musiker, der am Wendepunkt vom 16. zum 17. Jahrhundert eine der mächtigsten Figuren in der spani- schen Musik gewesen ist. 1575 wurde er als Mathieu Rosmarin im flämi- schen Lüttich geboren. Und nachdem er als Chorknabe an der damals legendären Capilla flamenca am Madrider Hof seine ersten wichtigen musikalischen Schritte in seiner zukünftigen Heimat gemacht hatte, wurde Matheo Romero 1598 zum königlichen Kapellmeister am spanischen Hof von Philipp III. ernannt. In dieser Funktion begleitete er den Herrscher mit der Musikkapelle auf seinen Reisen. Und im Laufe seiner über 30 Jahre währenden Tätigkeit regierte Romero nicht nur mit eiserner Hand die Capilla flamenca, sondern schrieb neben Messen, Madrigalen und Motet- ten auch solche munteren Stücke wie „Romerico florido“, dem der Volkstanz „Folia“ zugrunde liegt. Dass mit Matheo Romero ein flämischer Musiker einen hohen Posten in der höfischen Capilla flamenca einnahm, war nicht die ausnahme, sondern die Regel. So waren bereits während der Regentschaft von Karl V. die angestellten Musiker allesamt Flamen. Zu den wenigen epochalen Kom- ponisten Spaniens, die nicht am Hofe angestellt waren, gehörte Tomás Luis de Victoria, von dem ein „Salve Regina“ zu hören ist. Besonderen ein- fluss auf sein Schaffen hatte kein geringerer als Palestrina, dem Victoria wohl im Rahmen seines zwei Jahrzehnte währenden Rom-aufenthaltes begegnet ist. nachdem Victoria in den 1580er Jahren die Priesterweihe empfangen hatte, kehrte er wieder in seine Heimat zurück und wirkte in Madrid als Komponist und organist. Wenngleich auch er den Forderungen des Konzils von Trient nachkam und damit seinen Ruf als „spanischer Palestrina“ begründete, ist Victorias Vokalschaffen bei aller eindringlich- keit doch um einiges dramatischer. eine zweite, ebenfalls überwältigende flehentliche Bitte an die Jungfrau Valerio Contaldo, Tenor Matteo Bellotto, Bass
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