Tage Alter Musik – Programmheft 2019
49 T age a LTeR M USIK R egenSBURg Konzert 8 erschienen beim Label arcana: orchesterouvertüren von g. Ph. Telemann (2013), Venezianische oboenkonzerte des Barock (2014), „Harmonie & Tur- cherie“ (2015), die orchesterouvertüren (2016) und die Brandenburgischen Konzerte von J. S. Bach (2018). zum Programm: „Von Hof zu Hof“ – Musik für oboe band mit sechs oboen, zwei taillen, drei Fagotten und Schlagwerk Im Sommer 1698 weilte Ludwig XIV. (reg. 1643–1715), in seinem Sommer- sitz in Fontainebleau. Zur Zerstreuung des Sonnenkönigs und seiner gäste wurde die bereits 1670 uraufgeführte Ballettkomödie “Der Bürger als edel- mann” von Molière zur Musik von Jean-Baptiste Lully gleich mehrfach gespielt, doch vor der letzten aufführung mussten der König und mit ihm zahlreiche Musiker vorzeitig nach Paris abreisen. Um den verbliebenen gästen dennoch das Ballett am abend vorstellen zu können, übernahm kurzerhand die „oboistenbande“ den musikalischen Part – ein am fran- zösischen Hof hochentwickeltes Bläserensemble der Barockzeit, das den ebenso berühmten Streichern (den 24 Violons du Roy) musikalisch in nichts nachstand. Das heutige Programm stellt Werke für eben diese oboistenbande vor, die aus oboen, alt-oboen (Taillen) und Fagotten mit obligaten Pauken und Trommeln bestand. Vom französischen Hof, der weithin als kulturelles Vorbild galt, strahlte diese Musik europaweit aus, und es finden sich kurz darauf ensembles und Kompositionen an zahlreichen Fürstenhöfen – daher der Titel des heutigen Konzerts: eine europäische Reise „Von Hof zu Hof“ mit ouvertüren, Tanzsuiten, Märschen und Concerti. Die oboe ist die moderne Weiterentwicklung uralter Musikinstrumente. Schon im antiken griechenland gab es den mit einem Schilfrohr angebla- senen aulos, und durch das gesamte Mittelalter hindurch begleitet uns die Schalmei , die sich mit ihrem schneidenden und durchdringenden Ton gut als führendes Instrument in jedem Unterhaltungs- und Freiluftensemble behauptet. nicht anders als die Block- und die Querflöte besteht die oboe aus einer zumeist konischen Röhre aus heimischen Holzarten, die durch Tonlöcher verkürzt wird, welche wiederummit den Fingerkuppen geöff- net und geschlossen werden. erst im 18. Jahrhundert tauchen die ersten Klappen auf, die dann auch ein weiter entfernt angebrachtes Tonloch ver- schließen können und einen größeren Tonumfang erlauben – heute besitzt die moderne oboe mindestens 24 Klappen zum Verschließen der Tonlö- cher und vor allem zum Kombinieren bestimmter griffe. Um die Mitte des 17. Jahrhunderts gab es am französischen Hof Schalmei- Spieler, die an der erweiterung des Tonumfangs ihrer Instrumente tüftel- ten. Die zahlreichen und vor immer größerem Publikum aufgeführten Bal- lette und Komödien Jean-Baptiste Lullys machten anscheinend eine Unter- stützung der Streichinstrumente nötig, denn ab 1657 kamen die neuen, nun „französisch“ hautbois genannten Instrumente regelmäßig imorches- ter vor. auch in die Militärkapellen wurden die Instrumente umgehend integriert und sogar eigene Compagnien (hautbois de Mousquetairs) gebildet. So entstanden am französischen Hof, der mitsamt seinen Hofmusikern zwischen Paris, Versailles und anderen Sommerschlössern mit großem aufwand hin- und herpendelte, mehrere feste ensembles, die für die Kir- chen-, Kammer-, Konzert- und Freiluftmusik zuständig waren. Die oboen entstanden in verschiedenen größen in Sopranlage (hautbois) , alt- und Tenorlage (taille) und bildeten mit dem eng verwandten Fagott (basson) als Bassinstrument ein vollstimmiges ensemble. Zur gleichen Zeit verschwand der ebenfalls aus Holz gefertigte, aber mit einem Kesselmund- stück angeblasene Zink aus den Freiluftensembles – übrig blieb die, aller- dings nur für zeremonielle Zwecke genutzte, naturtrompete. Die oboe war durch die gesamte Barockzeit hindurch ein beliebtes Soloinstrument, wurde allerdings im Zeitalter der Klassik und der Romantik auf ihren festen Platz imorchester reduziert – trotz der enormen technischen Weiter- entwicklung bis heute. Oboe Band bei den Krönungsfeierlichkeiten Ludwig XV. Titelblatt der Erstausgabe der Triosonaten von Pierre Danican Philidor aus dem Jahr 1717. Trio - Erstausgabe enthält 6 Suiten von Monsieur Pierre Danican Philidor, Oboist und Flötist, ordentliches Mitglied des Königlichen Orchesters (Chapelle) und seiner Kammermusik.
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