Tage Alter Musik – Jubiläumsschrift 2009
sehr Schweres, Großes, das sich bei Bauarbeiten im Dachgeschoß des Gebäudes gelöst hatte und in den darunter liegenden Probensaal gekracht war. Zum Glück kamen alle mit dem Schrecken davon. Nun mal abgesehen von solchen Katastrophen – interessant finde ich übrigens das immer wieder anzu- treffende „nationaltypische“ Verhalten mancher Künstler, die mitunter kein Klischee auslassen. So kommt es wirklich nicht selten vor, dass Künstler aus Wien bei ihrer Ankunft am Konzertort erst ein- mal nach dem nächstgelegenen Kaffeehaus fragen. Oder die Art und Weise, wie beispielsweise Italiener oder US-Amerikaner immer wieder durch ihre unglaubliche Lockerheit bestechen, ist schon frappierend – während beispielsweise deutsche Künstler häufig doch eher eine ziemlich genaue Vorstellung davon zu haben scheinen, welches Maß an organisatorischer Präzision und Gründlichkeit sie am Konzertort von einem Veranstalter einzufordern gedenken... (lacht) Aber man muss sagen: es überwiegen natürlich bei weitem die glücklichen Momente. So finde ich es sensationell, wie unprätentiös, wie sympathisch und natürlich die allermeisten unserer Künstler hier auf- treten. So erlebt man z.B., dass Musiker nach ihrem Konzert spontan mit den Platzanweisern und Kartenabreißern (!) ihres Konzerts zum Mittagessen gehen, oder dass einem spätabends im Festivalrestaurant Vitus Ensembles spontan noch ein Ständchen bringen. Besonders denkwürdig ist hier- bei sicherlich das Rose Ensemble mit seinem spontanen Vortrag eines hawaiianischen Volksliedes... Herr Holzgartner, Sie sprachen eben die Absage Emma Kirkbys an – war es wirklich so, wie in Zeitungen zu lesen war, dass Sie nur 24 Stunden Zeit hatten, einen Ersatz zu finden, und dass Sie Maria Espada vom Flughafen zurückholten? P.H.: Nicht ganz vom Flughafen. Sie war gerade dabei, mit der Gruppe Estro Cromatico, mit der sie gerade ihr Konzert gegeben hatte, ins Hotel zurückzukehren, um dann zum Flughafen aufzubrechen. Ich habe sie durch einen meiner Konzertbetreuer stoppen lassen und sie gebeten, erst einmal in Regensburg in Ruhe Essen zu gehen und die Abfahrt zum Flughafen solange wie irgend möglich hinauszuzögern. Das Ensemble und sie gingen dann tatsächlich ins Restaurant Vitus und aßen zu Mittag, während ich am selben (!) Ort war, um von hier aus in aller Hektik alle notwendigen Telefonate zu führen. Nun war es damals so gewesen, dass wir sofort nach dem Erhalt von Emma Kirkby’s Absage diverse Initiativen gestartet hatten, um einen geeigneten Ersatz zu finden, ebenso wie das betroffene Orchester, das mit Emma Kirkby auftreten wollte, nämlich das L’Orfeo Barockorchester. Dann war es schließlich am Ende des besagten Mittagessens von Maria Espada so, dass klar war, dass wir wählen mussten zwischen ihr und einer anderen, sehr renommierten Sopranistin, die das L‘Orfeo Barockorchester „an der Angel hatte“ und eigentlich als Lösung favorisierte. Und dann kam Maria Espada zusammen mit den Musikern von Estro Cromatico nach dem Essen zu mir, ob sie nun tatsächlich für Emma Kirkby einspringen solle, und in diesem Moment, als sie mir so gegenüber stand, war mir klar, dass ich mich jetzt nur noch für sie entscheiden konnte... Wie sich nachher zeigte, eine sehr, sehr gute Wahl. Wir waren ihr wirklich sehr dankbar, denn sie sprang da wirklich in sehr, sehr kaltes Wasser – nicht zuletzt deshalb, weil auch die- ses Konzert (wie so häufig bei uns) vom Rundfunk übertragen wurde... Zum Schluss, meine Herren, wenn Sie erlauben, noch drei ganz persönliche Fragen. Zunächst: Welche 3 CDs würden Sie auf eine einsame Insel mitnehmen? L.H.: Drei sind zu wenig. Das ist sehr schwierig. Da kann ich meine Musikinteressen nicht unterbrin- gen, aber wenn’s sein muss: Hier mal drei wichtige: 67
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