Tage Alter Musik – Almanach 2025

Lieber Herr Domkapellmeister Heiß mit der ganzen Domspatzenfamilie, Liebe Freunde der Alten Musik, meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Schwestern und Brüder im Herrn, ich begrüße Sie alle sehr herzlich im Hohen Dom zu Regensburg zur Vorpremiere und zum Eröffnungskonzert der Tage Alter Musik, die in diesem Jahr zum 40. Male in Regensburg, der „Welthauptstadt der Kirchenmusik“ – um Franz Liszt zu zitieren – stattfinden und sich längst als ein vielbeachtetes internationales Forum etabliert haben. Nicht nur die Tage der Alten Musik begehen einen runden Geburtstag. Auch der Chor dieser Kathedrale, seit gut 100 Jahren liebevoll die „Domspatzen“ genannt, schauen heuer gar auf 1050 Jahre ihres Bestehens zurück. Herzliche Glückwünsche an die Veranstalter der Tage der Alten Musik, und natürlich erst recht an die Domspatzen zu diesen beachtlichen Jubiläen! Bischof Wolfgang, ein begnadeter Lehrer und Pädagoge, hat im Jahr 975, also vor 1050 Jahren, in seiner Bischofsstadt eine Domschule gegründet und in ihrer Mitte den Domchor, zur größeren Ehre Gottes und zur Ausbildung und Formung junger Menschen in der Entfaltung vor allem auch ihrer musikalischen Talente. Das Gründungsjubiläum der Domspatzen ist auch der Grund, weswegen die Eröffnung der Tage der Alten Musik dieses Jahr in dieser Domkirche gefeiert wird. Und wenn ich richtig informiert bin, stehen an der Wiege der Tage der Alten Musik ja selber drei ehemalige Domspatzen: Stephan Schmid, Ludwig Hartmann, und Christof Hartmann, die schon früh mit der historischen Aufführungspraxis in Verbindung gekommen waren. Danke für diese wunderbare Initiative, die nicht zuletzt zeigt, dass die Ausbildung amMusikgymnasium der Domspatzen von höchster kultureller Bedeutung ist. Der heutige und morgige Abend hier imDom ist gewiss einer der Höhepunkte in diesem Festjahr unseres Domchores. Die Kathedrale des Bischofs von Regensburg ist der Dom der Domspatzen, der erste und wichtigste Raum für ihren Gesang. Sonntag für Sonntag und an den Hochfesten der Kirche singen sie hier das Ordinarium und das Proprium, lassen sie hier das große Erbe vor allem der Vokalpolyphonie der Renaissance und der Barockzeit erklingen. So werden wir heute – um die Missa octo vocum von Hans Leo Hassler herum gruppiert – Motetten und Hymnen vor allem von Giovanni Pierluigi da Palestrina – anlässlich von dessen 500. Geburtstag hören, begleitet vom Ensemble La Cetra Basel und der Orgel. Giovanni Pierluigi da Palestrina gilt bekanntlich in der Kirchenmusik-Geschichtsschreibung als der „Retter“ der polyphonen Kirchenmusik, weil er mit seiner Missa Papae Marcelli den Vätern des Konzils von Trient gegenüber den Nachweis erbringen konnte, dass nicht nur der altehrwürdige Choral, sondern gerade auch die vielstimmige Kirchenmusik im Dienst des Wortes steht, der Verkündigung von Gottes Wort zuerst, und der Ant-Wort der singend betenden glaubenden Kirche. Darum vor allem wird es auch heute Abend gehen. Lassen wir uns, meine sehr verehrten Damen und Herren, von der Architektur dieses Domes, seinem Streben nach oben, sowie von den Klängen der Domspatzen, der Bläser und der Orgel – im Sinne eines Gesamtkunstwerkes mit Herz, Sinn und Verstand erheben ... und auf diese Weise auch auf das bevorstehende Pfingstfest einstimmen, an dem wir die Geburtsstunde der Kirche begehen in der Aussendung des Heiligen Geistes, der in den Getauften wirkt, besonders freilich in den Künstlerinnen und Künstlern. Der Atem, gekonnt und kunstvoll eingesetzt durch die Stimmen und die Blasinstrumente, sei uns ein Hinweis auf den Heiligen Geist, den AtemGottes, der unser ganzes Leben trägt und erhält. Deshalb hören wir zu Beginn und geradezu programmatisch Giovanni Gabrieli. Lassen wir uns mit ihm von den Domspatzen ruhig auch zwei und drei Mal sagen: Jubilate Deo! Tage Alter Musik Regensburg 2025 86 Grußwort des Regensburger Bischofs Rudolf Voderholzer zur Vorpremiere des Eröffnungskonzerts der Tage Alter Musik im Dom zu Regensburg am 5. Juni 2025

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