Das Regensburger Festival „Tage Alter Musik“ feiert 2025 sein 40-jähriges Bestehen. Was einst mit fünf Konzerten begann, ist heute eine international anerkannte Plattform für historisch informierte Aufführungspraxis – mit rund 16 Konzerten, Instrumentenausstellung und musikalischen Raritäten. Im Interview spricht Festivalleiter Ludwig Hartmann über die Entwicklung des Festivals, das Publikum von heute, den Mut zur Entdeckung – und warum eine rekonstruierte Trauermusik von Bach für ihn ein persönliches Highlight ist. br-KlassIK: Herr Hartmann, wofür steht das festival „tage alter Musik“? luDwIg HartMann: Für historische Aufführungspraxis – das war von Anfang an unser Ausgangspunkt. Musik vom Mittelalter bis zur Klassik, manchmal auch Romantik, sowohl weltlich als auch geistlich, instrumental wie vokal. Und das Ganze in der besonderen Atmosphäre Regensburgs, wo alle Veranstaltungsorte bequem zu Fuß erreichbar sind. Seit 40 Jahren ist das Festival fest im Kulturleben der Stadt verankert. br-KlassIK: wie hat sich das festival in den letzten 40 Jahren entwickelt? luDwIg HartMann: Wir haben mit fünf Konzerten angefangen, heute sind es rund 16 Konzerte an vier Tagen. Dazu kommt unsere große Instrumentenausstellung – und zum Jubiläum gibt es ein erweitertes Begleitprogramm. Das macht das Festival nochmal größer und vielfältiger. br-KlassIK: wie hat sich die alte-Musikszene verändert? luDwIg HartMann: Die Professionalität ist enorm gestiegen. Vor 40 Jahren war das eher ein Spezialistenfeld. Heute bieten viele Hochschulen gezielte Ausbildung, und es gibt einen intensiven Austausch zwischen den Ensembles. Das merkt man bei uns jedes Jahr – jeder bringt einen anderen Blick auf die Musik mit, und genau das macht’s so spannend. br-KlassIK: sind die „tage alter Musik“ auch eine startrampe für Musiker? luDwIg HartMann: Manchmal ja. Wir achten auf eine gute Mischung: etablierte und weniger bekannte Ensembles, je nachdem, wie das Programm zusammenpasst. Auch der Aufführungsort spielt eine Rolle. Es geht uns immer um das künstlerische Ganze. br-KlassIK: Inwiefern ist das publikum mitgewachsen? luDwIg HartMann: Wir haben ein treues Stammpublikum, das Lust auf Entdeckungen hat und jedes Jahr wiederkommt – oft auch wegen der besonderen Programme, die man sonst nirgends hört. Unser Schlusskonzert mit der 40-stimmigen Messe von Alessandro Striggio zum Beispiel war schon seit Weihnachten ausverkauft. Aber wir sehen auch: Es kommen viele junge Leute, vor allem wenn junge Ensembles spielen. br-KlassIK: Mögen junge leute sogenannte alte Musik? luDwIg HartMann: Auf jeden Fall. Es gibt ja viele junge Ensembles und die ziehen dann entsprechend auch junge Leute an. Es ist nicht so, dass es ein junges Festival ist, aber viele Junge sind daran interessiert. Wir bieten immer auch eine ganz günstige Preiskategorie für alle Konzerte an, wo man für 14 Euro in jedes Konzert gehen kann, ohne Ausweiskontrolle - und das funktioniert gut, wenn der Geldbeutel ein bisschen kleiner ist. br-KlassIK: wie hat die stadt regensburg das festival über die Jahre mitgetragen und was ist davon auch für die zukunft tragfähig? luDwIg HartMann: AmAnfang war es wirklich schwierig – typisch bayerisch: „Braucht’s des? War doch nie da.“ Aber im Laufe der Zeit haben wir uns da gut durchgesetzt, und auch die Unterstützung der Stadt ist mittlerweile wirklich hervorragend, darauf kann man bauen. Außerdem haben wir mittlerweile auch einen Förderverein gegründet. Ich hoffe natürlich, dass es so weitergeht, dass es nicht von politischen Entscheidungsträgern abhängt – je nachdem, wer vorn dran sitzt, sondern dass das wirklich eine Institution wird in der Stadt. br-KlassIK: gibt es denn da schon irgendwelche gedankenspiele? Haben sie schon über eine nachfolge nachgedacht? luDwIg HartMann: Ja, seit Jahren. Aber es ist schwer, jemanden zu finden, der das unter diesen Bedingungen machen möchte – es ist ja ein Ehrenamt. Vielleicht liest oder hört das hier jemand und hat Lust, sich zu melden! br-KlassIK: was feiern sie denn in diesem Jahr, dem 40-jährigen bestehen der „tage alter Musik“ in regensburg, ganz persönlich, wenn sie auf diese 40 Jahre zurückblicken? luDwIg HartMann: Das Konzert mit Solomon’s Knot am Samstagabend. Da wird Bachs „Köthener Trauermusik“ gespielt – ein Werk, das eigentlich weitgehend verloren ist. Der Dirigent Chad Kelly hat eine Rekonstruktion geschaffen. Das ist ein jahrelanger Prozess gewesen, bis wir das machen konnten. Ich bin wirklich froh, dass das klappt – und so gespannt, wie das alles klingen wird! Tage Alter Musik Regensburg 2025 83 Vokalisten und Instrumentalisten von Solomon’s Knot beim Konzert in der Dreieinigkeitskirche „Manchmal ist es auch eine Startrampe“ Autorin: Julia Schölzel // 3. Juni 2025
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