nig Möglichkeiten gab, ein unabhängiges, selbstbestimmtes Leben zu führen. Eigentlich gab es nur zwei: in ein Kloster einzutreten oder - so im Venedig des 17. Jahrhunderts anscheinend durchaus üblich – sich als „ehrenwerte Kurtisane“ (cortigiana onesta) selbstständig zu machen. Ein freizügiges Porträt der Strozzi scheint dies zu bestätigen: Wie auch immer: Das Konzert in der Schottenkirche St. Jakob bewies von A bis Z, dass die Strozzi eine geniale Komponistin war. Sie wusste allerdings, dass das Werk einer alleinstehenden Frau in Venedig möglicherweise durchaus gewisser Protektion anderer mächtiger Frauen nötig haben könnte. So schrieb die Strozzi in der Widmung ihrer Madrigalsammlung Opus 1 an die toskanische Herzogin Vittoria della Rovere folgende Worte: „Ich weihe dieses Erstlingswerk, das ich als Frau allzu kühn ans Licht bringe, ehrfürchtig dem erhabenen Namen Eurer Hoheit, damit es unter Eurer Goldenen Eiche vor den Donnerschlägen, die man für es vorbereitet hat, sicher bleibe.“ Das lässt darauf schließen, dass es damals in dieser Hinsicht nicht einfach war … Im Konzert jedenfalls erwiesen sich die beiden Sopranistinnen Mields und Blažíková als ganz große Könnerinnen ihres Faches. Ja, die beiden sangen sich bei dem klug ausgewählten Programm, das sich „in fünf Akten“ dem Schaffen der Komponistin widmete, regelrecht in einen Rausch. Selig, wer diese hohe Virtuosität, das perfekte Italienisch und die sichtbare Freude, die die beiden an ihrem Tun hatten, erleben durfte! Ihnen stand das famose Instrumentalensemble Hathor in keiner Weise nach. Selten so eindrucksvolle Instrumentalsoli gehört, wie von Romina Lischka (Gambe) und Christine Busch (Violine). Funken, die übersprangen und dafür sorgten, dass alle trotz später Stunde hellwach in die Nacht gingen. Ein Trost, wenn auch ein schwacher, da sie naturgemäß nicht die optischen Reize der Ausführenden und des Raumes einfangen können, ist, dass alle armen Menschen, die das nicht erleben durften, zumindest am 3. Juli um 20:03 Uhr im Radio auf der Festspielzeit auf BR Klassik Teile dieses Konzertes nachhören können - übrigens auch vom oben erwähnten sensationell guten Palestrina-Recital des Tenebrae Choir. Außerdem soll in Bälde eine CD-Produktion des sorgfältig kuratierten Konzertprogrammes erscheinen - ohne Frage ein Must have! Nun aber zum denkwürdigen Pfingstsonntagabendkonzert in der Dreieinigkeitskirche. Hier gab es die Ausgrabung des Jahres, nämlich die Missa Laetemurine a 12 von Benedikt Anton Aufschnaiter. Benedikt wer? Ja eben, das ist das Besondere bei der TAM in Regensburg. Immer wieder wird selbst derjenige, der sich auf jahrzehntelange Leidenschaft für Alte Musik etwas einbildet, von völlig neuen Namen überrascht. Also, Benedikt Anton Aufschnaiter (1665-1742), geboren in Kitzbühel und ausgebildet inWien, wirkte fast vierzig Jahre am Hof des Fürstbischofs zu Passau und schuf dort unzählige geistliche Werke, mehr als 300 sind überliefert, unter anderem eben jene 12-stimmige Missa, die das Ensemble Ars Antiqua Austria, einige Vokalsolisten und eine äußerst engagierte Gruppe der St. Florianer Sängerknaben aus dem österreichischen Linz zur Aufführung brachte. Für dieses Repertoire zeichnete Gunar Letzbor Verantwortung. Der umtriebige Barockgeiger und Musikforscher hatte sich in den vergangenen Jahren in das Archiv in Passau vertieft und ist von der Musik Aufschnaiters Tage Alter Musik Regensburg 2025 64 Welterstaufführung: Instrumental- und Vokalensemble Solomon’s Knot (Leitung: Jonathan Sells) mit einer neuen Version von Bachs Köthener Trauermusik (BWV 244a) am 7. 6. in der Dreieinigkeitskirche Freizügig, freizügig… Mutmaßliches Porträt der Sängerin, Komponistin Barbara Strozzi (1619–1677)
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