den Qualität und Disziplin und von einem herrlichen Klangraum. Diesen heilsamen Palestrina-Genuss hatten sich viele der Zuhörenden aber auch verdient, weil das direkte Vorkonzert in der Dreieinigkeitskirche, gleich um die Ecke, reichlich Überlänge in sich getragen hatte und deswegen den einen oder die andere gestresst entließ. Vielleicht hätten die acht Sängerinnen und Sänger und das Orchester von Solomon’s Knot auf die einleitende gut halbstündige opulente Trauerkantate „Lass, Fürstin, lass noch einen Strahl“ (BWV 198) zu Ehren der 1727 verschiedenen Christiane Eberhardine von Brandenburg-Bayreuth, der Gattin Augusts des Starken, lieber verzichten sollen, so schön das Stück auch ist. Aber so dauerte dann alles doch ein bisschen lange, denn das mit Spannung erwartete Hauptwerk, die sogenannte Köthener Trauermusik, brachte dann noch mal auch gut zwei Stunden auf die Uhr. Die Herausforderung einer Aufführung dieses Werkes ist schlicht die, dass die Musik Bachs leider verloren ist. Zwar kann man sie zu 90 Prozent mühelos aus der Matthäuspassion oder eben aus der Trauerode für Christiane Eberhardine rekonstruieren, aber ein wichtiger Rest fehlt. Da sind zum einen die Rezitative und zum anderen ein Chor mit einem sogenannten dictum, zu dessenWorten man bisher im überlieferten Oeuvre Bachs keine Entsprechung gefunden hat. Hierzu komponierte der britische Barockspezialist Chad Kelly einige neue Teile im Bachstil und unter gekonnter Verwertung bereits vorhandenen musikalischen Materials. Unterm Strich sehr gelungen, leider nur als Konzert insgesamt etwas lang, sorry. Aber bewundernswert auf jeden Fall die musikalische Leistung der nur acht Sängerinnen und Sänger, die von einem der ihren, Jonathan Sells, geleitet wurden, und die alles blitzsauber, auswendig(!) und mit großem Engagement vortrugen. Marvellous! Die gute Nachricht für alle, die das Konzert nicht oder aufgrund der Umstände zumindest nicht ganz in innerer Ruhe verfolgen konnten: Am 26. Juni um 20 Uhr kann man es in Gänze auf Deutschlandfunk Kultur nachhören. Wärmste Empfehlung! Solche Empfehlung gilt auf jeden Fall auch für das erste Nachtkonzert des Festivals. Darin widmeten sich das Hathor Consort und die beiden international renommierten Starsopranistinnen der Alten Musik, Dorothee Mields und Hana Blažíková, ausführlich demWerk von Barbara Strozzi, einer Komponistin aus dem 17. Jahrhundert - damals wahrhaft eine Seltenheit, wo es als Frau weTage Alter Musik Regensburg 2025 63 Domspatzen von hinten. Eröffnungskonzert der TAM Regensburg 2025 am 6. Juni im Regensburger Dom Palestrina at its best. Der Tenebrae Choir und Nigel Short in der Dominikanerkirche St. Blasius
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