Tage Alter Musik Regensburg 2025 62 Am Pfingstwochenende fanden sie zum 40. Mal (!) statt – die Tage Alter Musik (TAM) Regensburg. Nach kleinen Anfängen gehört das Festival an der Donau fraglos zu den heute weltweit wichtigsten. Umso erstaunlicher, dass es bisher nur mit einem (!) Angestellten und ansonsten mit rein ehrenamtlichem Engagement auskommt. Kann das ewig so weitergehen? 40 Jahre, so erzählt die Bibel, zog das Volk Israel durch die Wüste, bevor es in das gelobte Land gelangte. Die symbolträchtige Zahl 40 haben die Tage Alter Musik in Regensburg dieses Jahr erreicht. Streng genommen war es sogar schon vor 41 Jahren, dass das besondere Alte-Musik-Festival an der Donau erstmals stattfand, damals nur fünf Konzerte am Pfingstwochenende. Alles auf die Beine gestellt von Ludwig Hartmann (damals 26) und Stephan Schmid (damals 30), beides ehemalige Sänger der Regensburger Domspatzen. KeinWunder, dass Regensburgs Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer beim Eröffnungsempfang voll des Lobes war. Dafür bedankte sich Ludwig Hartmann im Namen der Veranstalter, und eigentlich sind Schmid und er (und seit 1999 auch Geschäftsführer Paul Holzgartner, der einzige Festangestellte) mit den Tagen Alter Musik längst im gelobten Land der Musik angekommen: Seit Jahren ausverkaufte Festivals, Rundfunkübertragungen in alle Welt – Herz, was willst Du mehr? Vielleicht etwas mehr Sicherheit? Aber davon später mehr… Erstmal hinein ins Vergnügen der Jubiläums-TAM, die diesmal besonders dem großen Pierluigi da Palestrina huldigte, zumindest mit einem kurzen Blick in fünf der 16 Konzerte: Zum Auftakt hatten traditionell die ortsansässigen Regensburger Domspatzen ihr Heimspiel, diesmal sogar im hohen Dom, wo sie ein reiches Geburtstagsprogramm für Palestrina, den großen Komponisten der Gegenreformation zelebrierten – klanglich golden grundiert von den vorzüglichen Bläsern des Ensembles La Cetra (Basel) mit zwei Zinken und sechs Posaunen. Neben Palestrina widmeten sich die Domspatzen besonders Hans Leo Hassler (15641612), einem Komponisten in der Generation zwischen Palestrina und Heinrich Schütz. Der gebürtige Nürnberger wurde zu seiner Zeit als „Musicus inter Germanos sua aetate summus“ (Größter deutsche Musiker seiner Zeit) gerühmt. Leider ist sein wunderbares Werk immer noch recht wenig bekannt. Am TAM-Eröffnungsabend strukturierte Hasslers „Missa octo vocum“ das Programm in vier Teile, in denen dann die italienischen Großmeister Gabrieli, Monteverdi und natürlich Palestrina selbst sich entfalten durften. Insgesamt ein sehr würdiger Auftakt, auch wenn das Programm vielleicht a bissel zu lang war und in Teilen mehr Kontur vertragen hätte. Wie Genuss in Sachen Palestrina noch mehr bezaubern kann, demonstrierten tags drauf kurz vor Mitternacht die 14 grandiosen Sängerinnen und Sänger des Tenebrae Choir unter Leitung ihres Gründers Nigel Short, die zweifellos zu den weltweit besten Ensembles ihrer Art zählen. Sie sangen unbegleitet, und schon bald wähnte sich das verzückte Publikum in der riesenhohen Dominikanerkirche im siebten Himmel. Die Klänge der britischen Sänger:innen kamen ansatzlos aus dem Nichts, blühten in herrlicher Manier auf. Kraftvoll, aber ohne übertriebene Forcierung, mit Schlusskadenzen, die die fast 1000 Zuhörenden so verzückten, dass man manches Mal in der atemlosen Atmosphäre die eine oder andere Stecknadel hätte fallen hören können. Ganz großes Vokalkino, getragen von der überwältigenAutor: Reinhard Mawick // Juni 2025 Auf dem Weg ins Gelobte Land? Erleben und Ausblick 2025: das 40. Festival der Tage Alter Musik Regensburg Im Gelobten Land. Konzertbesucher in Regensburg 2025 vor dem Abschlusskonzert in der Dominikanerkirche St. Blasius
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