Tage Alter Musik – Almanach 2025

Da ist der Auftritt der Truppe Zefiro die pure Erholung. Angeführt durch den Oboenvirtuosen Alfredo Bernardini zeigen seine Mitspielerinnen und Zaubermusiker nicht nur lässige Virtuosität im Rasantissimostil, sondern auch Witz. So bei Deutschlands erstem großen Opernkomponisten Reinhard Keiser, dessen Ouvertüre zu „Der lächerliche Prinz Jodelet“ dem Titel alle Ehre erweist. Die Musik hopst zwischen Pathos, Trauermarsch-Parodie und Furiosgekreisch herum, die Musiker wandern über die Bühne, sinken in sich zusammen, das Publikum tobt. Es tobt auch bei den Kurzwitzen und Blödeleien, die der zehnjährige Mozart in seinem „Galimathias Musicum“ gesammelt hat, wo er über Musik, Musiker, Stile, Hörgewohnheiten spottet und nicht nur mit einer Fuge höchstes Können demonstriert. Zefiro zaubert unter dem Gelächter des Publikums die Balance zwischen Können und Blödsinn. An die 60 Menschen sind während des Festivals für dieses imDauereinsatz, verkaufen Karten und CDs, lotsen Besucher, geben Auskunft. Jede Musikertruppe hat einen separaten Betreuer, der das Engagement von Anfang bis zum Schlussapplaus begleitet. Viel Geld kann bei dem kleinen Budget niemand verdienen, aber alle brennen für die alte Musik, die in Regensburg so überwältigend heutig daherkommt. Was auch daran liegt, dass sich jede Menge junger Musiker für die uralten Stücke interessieren und sie nach allen Regeln ihrer Interpretationskunst als nach wie vor überwältigend aufbereiten. Jung sind auch die sechs Musiker von Cantoría, genauso die drei Sängerinnen von La Néréide. Beide Truppen haben sich auf je ein musikhistorisch berühmtes Phänomen spezialisiert, das kaum live zu erleben ist. Das sind einerseits die Ensaladas von Matteo Flecha, eine musikalisch-textliche Kraut- und Rübensammlung, die volkstümlich derb Stierkampf, Schiffshavarie oder Rittertunier mit religiösen Themen vermengen, andererseits das legendäre Sängerinnentrio in Ferrara um 1570, eine Europasensation. Cantoría und La Néréide machen klar, dass diese ganz der Eleganz verpflichteten Phänomene noch immer begeistern können, genauso wie die Klangeruptionen von Biber und Striggio. Und so träumt der Besucher, während er am Bahnhof in Regensburg auf den verspäteten Zug wartet, jetzt schon von den nächsten Tagen Alter Musik und fragt sich, welche Entdeckungen die Festivalmagier Schmid und Hartmann dann aus dem Hut zaubern werden. Tage Alter Musik Regensburg 2025 60 Cantoría in der Schottenkirche St. Jakob Die Sängerinnen von Ensemble La Néréide, v. l. Julie Roset, Ana Vieira Leite und Camille Allérat, Ulrik Gaston Larsen, Theorbe STIMMEN ZUM FESTIVAL TAGE ALTER MUSIK 2025 Just wanted to send a personal thanks for hosting Newton Baroque for TAM 2025. It was so great to be back and experience beautiful, historic Regensburg again and share that with my friend/colleagues. We all had a fantastic time! Thank you so much for having us for TAM, fortieth year anniversary! We had an incredible experience playing for this warm audience in the Reichsaal—the most perfect venue for this music. Susanna Ogata, Newton Baroque

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