ten. Das klingt zwar nach nerdiger Nische, aber die Konzerte sind ausverkauft, das Publikum, es kommt zu gleichen Teilen aus Regensburg wie dem übrigen Europa, jubelt umso lauter, je unbekannter das Gespielte ist. Immer wieder grandiose Aufnahmen von grandiosen Stücken mit grandiosen Musikern In Regensburg geht es um die Kunst. Also bleibt wenig Zeit zwischen den täglich bis zu fünf Konzerten. Dann müssen sich die Hörerscharen schnell durch die touristenvollen Altstadtgassen den Weg bahnen zur nächsten Kirche. Dort sieht man regelmäßig Stephan Schmid und Ludwig Hartmann, zwei Ex-Domspatzensänger, die schon 1984 die erste Festivaledition auf die Beine stellten. Die diesjährige Ausgabe ist die vierzigste und damit Jubiläum, 1985 und 2020 gab es kein Festival. Schmid und Hartmann hören bei den Konzerten immer gespannt zu, jubeln. Das erweckt den Eindruck, dass sie das Festival zuerst einmal für sich selber machen. Offenbar entdecken sie immer wieder grandiose Aufnahmen von grandiosen Stücken mit grandiosen Musikern, die sie dann nach Regensburg holen, um sie live hören zu können und ihrem staunenden Publikum zu präsentieren, das erkennbar froh ist, einmal nicht an Xi, Putin, Netanjahu, Musk denken zu dürfen. Und wie feiern die Regensburger ihr vierzigstes Jubiläum? Natürlich standesgemäß mit einer vierzigstimmigen Messe. Die „Missa sopra Ecco sì beato giorno“ des in Florenz tätigen Alessandro Striggio ist legendär wegen der riesigen, schon im 16.Jahrhundert Furore machenden Besetzung. Die diesjährigen, ausverkauften Tage kosten gerade einmal 300.000 Euro, zwei Drittel werden durch den Verkauf der 9.200 Karten erwirtschaftet, den Rest zahlen Sponsoren, Stadt, Staat, Stadtsparkasse. Da ist es eine finanzielle Riesenleistung, für die Striggio-Messe vierzig Sänger, vierzehn Musiker und den etablierten Meisterdirigenten Hervé Niquet nach Regensburg zu bringen, nächtigen, proben und konzertieren zu lassen. Und das Ergebnis? Eine einzige Pracht, ein von Klangwolken getriebenes Meisterstück der Gegenreformation, das auf nur eines setzt: die Überwältigung der Hörer. Die Musiker stehen im Rund um Hervé Niquet herum, der damit den besten Hörerplatz hat, so ziemlich alle in der Dominikanerkirche dürften ihn darum beneiden. Doch das, was aus diesem erlesenen Zirkel nach außen dringt, ist noch immer derart emotional aufrüttelnd, dass man fast dankbar dafür sein kann, nicht in der Mitte dieses Klangtsunamis zu stehen. Schade, dass dieses Megakonzert aus logistischen Gründen nicht im Regensburger Dom stattfinden konnte, den das Festival viel zu selten nutzen kann. AmVortag führt in der Dreieinigkeitskirche Gunar Letzbor vor, dass sich am katholischen Prunk- und Überwältigungsgehabe auch 100 Jahre später im Barock nichts geändert hat. Er präsentiert die zwölfstimmige „Missa Laetemurine“ des in Passau tätigen Benedikt Anton Aufschnaiter, eine schon im Kyrie von romantischen Klangfolgen geprägte Musik, beeindruckend beweglich, abwechslungsreich. Dann setzt Letzbor noch eins drauf mit der 32-stimmigen Vesper des Heinrich Ignaz Franz Biber, des langjährigen Salzburger Musikchefs. Wie bei Striggio entstehen kühn wogende Klangungetüme, die aber klarer strukturiert sind, weil Biber klanglich stark unterscheidende Ensembles einsetzt: die St. Florianer Sängerknaben, Posaunen und Zinken, Sängersolisten, Trompeten und Pauken, Streicher und eine Bassgruppe mit drei Lauten. Was für ein Aufwand! Dass dazwischen die Sologeige paganinihafte Teufeleien mit hineinpackt, katapultiert diese Klangorgie in die Kategorie des Gigantomanischen. Viel Geld kann bei dem kleinen Budget niemand verdienen, aber alle brennen für die alte Musik Tage Alter Musik Regensburg 2025 59 Ars Antiqua Austria in der Dreieinigkeitskirche Ungewöhnliche Perspektive: Ensemble Zefiro im Neuhaussaal
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