Tage Alter Musik – Almanach 2025

Tage Alter Musik Regensburg 2025 56 Zur Zeit der italienischen Spätrenaissance und des italienischen Frühbarocks schufen italienische Komponisten zu Ehren von hohen Persönlichkeiten aus Adel und Klerus geistliche Werke mit bis zu über 40 Stimmen. Heute genießen diese Vorläufer und etwas späteren Vertreter des sogenannten Monumental-Barocks in der breiten Öffentlichkeit keinen hohen Bekanntheitsgrad. Einer dieser Meister war der 1536 oder 1537 in Mantua geborene und dort 1592 verstorbene Alessandro Striggio. Eine 40-stimmige Motette Striggios schaffte es nach Zeugenaussagen 1568 bei der Prunkhochzeit des Herzogs Wilhelm V. von Bayern in München sogar, derart zu gefallen, dass sie dreimal hintereinander aufgeführt wurde. Das französische Ensemble „Le Concert Spirituel“ erschuf aus geistlichen Werken von Striggio, Francesco Corteccia und weiteren Zeitgenossen inklusive dem berühmten Giovanni Pierluigi da Palestrina ein neues Johannesoffizium, das zum Abschluss der Regensburger Tage Alter Musik in der Dominikanerkirche aufgeführt wurde. Die Masse der Stimmen unterläuft die alte Regel Dabei agierte das Ensemble getreu der historischen Aufführungspraxis mit 40 Vokalisten, die in fünf achtstimmige Chöre aufgeteilt waren, begleitet von 14 Instrumentalisten. Was man da in dem ausverkauften Gotteshaus zu hören bekam, war ein satter Gesamtklang, den man in der Tat als „monumental“ bezeichnen kann und der durch seine permanent dichte Präsenz schon fast meditative Züge trug. Allerdings macht dieser breite und vielschichtige Klangteppich, der durch den Hall der Kirche noch breiter gezogen wird, ein Verstehen des Textes sowie kompositorischer Feinheiten nicht selten äußerst schwer – und das, obwohl die hier verwendeten Werke nicht sehr komplizierte polyphonische Strukturen aufweisen und teils auch von homophonen Passagen geprägt sind. Damit unterlief der italienische Monumental-Stil quasi allein durch die Masse der Stimmen den Kompromissbeschluss des Konzils von Trient von 1564. Der besagt, dass man wegen der Textverständlichkeit bei verdichtetem Text homophon komponieren soll und bei wenig Text polyphone Strukturen anwenden kann. Ließ man das alles einmal beiseite und lauschte nur dem Geschehen, dann konnte man sich einfach an den satten, vielstimmigen Klangflächen in einer meditativ-spirituellen Art erfreuen. Dafür sorgte auch, dass sowohl die Vokalisten als auch die Instrumentalisten unter der Leitung von Hervé Niquet wie aus einem Guss und beeindruckend intonationsrein agierten. Auch die dezenten DynamikNuancen gelangen vorbildlich geschlossen. So bot der Abend einen ebenso würdigen wie musikalisch hochkarätigen Abschluss für die 40. Ausgabe des renommierten Regensburger Festivals. Klangflächen im Monumental-Stil Das Ensemble „Le Concert Spirituel“ bot bei den 40. Regensburger Tagen Alter Musik einen hochkarätigen und würdigen Ausklang Autor: Stefan Rimek // 12. Juni 2025 Vokalisten und Instrumentalisten von Le Concert Spirituel unter der Leitung von Hervé Niquet in der Dominikanerkirche St. Blasius

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