Tage Alter Musik – Almanach 2025

solistin) mit Verve und echtemHumor präsentierte. Johann Joseph Fux überraschte mit seinem „Nachtkonzert“ nebst SchnarchBass; Jan Dismas Zelenkas „Hypochondria“ bestach durch seine Originalität; Reinhard Kaisers Ouvertüre zum „lächerlichen Printz Jodelet“ lief mit Bühnentanz und Positionswechseln des gesamten Orchesters völlig aus dem Ruder; als dankenswerterweise einziges längeres „Follia“-Stück bot Francesco Geminianis Concerto grosso in Variationsform nach Corelli erstaunlichen Einfallsreichtum – grandios! Zurück zum Ernst der Kirchenmusik: In einem ausufernden Programm stellten Solomon’s Knot Johann Sebastian Bachs Trauerode BWV 198 einer neuen Rekonstruktion der bis aufs Libretto verschollenen Köthener Trauermusik BWV 1143 gegenüber, die in weiten Teilen aus Parodien der Trauerode und der Matthäus-Passion besteht. Das Fehlende hat Chad Kelly als Stilkopien neu komponiert, darunter die Rezitative und eine ambitionierte Choralfuge. Das alles wollte sich nicht so recht zu einem packenden Ganzen runden, was auch an der Interpretation lag. Als Chor überzeugten die acht (das komplette Programm auswendig singenden!) Vokalsolisten durchaus, in den Arien schienen sie allerdings bisweilen mehr für die Mikrophone als für den großen Kirchenraum zu singen. Den selben Raum, die Dreieinigkeitskirche, versuchte Ars Antiqua Austria mit höfischgeistlichem Prunk Passauer und Salzburger Provenienz zu erfüllen. Das funktionierte nur bedingt, da die wackeren St. Florianer Sängerknaben schlicht zu dünn besetzt waren. Immerhin bot Heinrich Ignaz Franz Bibers Vesper von 1674 mehr Substanz als die Missa Laetemurine von Benedikt Anton Aufschnaiter, so sehr der im Konzert durch Hexenschuss beeinträchtigte, dennoch wortmächtig ins Programm einführende Geiger und Dirigent Gunar Letzbor auch für ihn warb. So war es dem krönenden Abschlusskonzert vorbehalten, etwas von der Faszination der italienischen Mehrchörigkeit in die Gegenwart zu holen. Der in fünf Gruppen aufgeteilte, 40-köpfige Chor des Concert Spirituel ließ, von zahlreichen Bläsern und einem leider enervierend schnarrenden Regal umtönt, ein imaginäres Florentiner Johannesoffizium erstrahlen. Die differenzierte Pracht, die das Kollektiv inWerken von Orazio Benevoli, Alessandro Striggio und anderen entfaltete, war atemberaubend. Hervé Niquet regelte als souveräner Schutzmann den Klangverkehr. „Diese Lust, diese Ruhe, dieses Ende, dieses Ziel, sie ziehen uns von hier geradewegs ins Paradies!“ So lauteten passenderweise die das letzte Werk und somit das ganze Festival beschließenden Worte. Wie es mit den Tagen Alter Musik in den kommenden Jahren weitergeht, wird sich zeigen müssen. Stephan Schmid und Ludwig Hartmann, die das Festival erfunden haben und seit über 40 Jahren mit Herzblut ehrenamtlich leiten, deuteten an, dass sie langsam daran denken müssten, die Verantwortung Stück für Stück in jüngere Hände zu übergeben. Dass dies bestens gelingen möge, wünschen wir uns alle. Tage Alter Musik Regensburg 2025 50 Leclairs Aberwitz: Augustin Lusson und das Beggar’s Ensemble „Diese Lust, diese Ruhe, dieses Ende, dieses Ziel, sie ziehen uns von hier geradewegs ins Paradies!“ Eine vollbesetzte Dominikanerkirche beim Konzert mit Le Concert Spirituel unter der Leitung von Hervé Niquet

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