Der Psalm Laetatus sum ist ein Werk positiver Grundstimmung, obwohl es sich klanglich eher in tiefen Sphären aufhält, mit zwei Basssolisten (Gert Kenda und Ulfried Staber) und einem Violen-Ensemble. Unterschiedlichste Spieltechniken kommen zum Einsatz, Bogenvibrato beispielsweise, wenn es um die Bitten um Frieden geht. Über dem Klanggewebe blitzt dann Gunar Letzbors klarer Geigenton und zeigt den Weg zum himmlischen Jerusalem. Viel Konzentration gefordert Dem Biber-Kosmos voraus ging eine Missa Laetemurine à 12 von Benedikt Anton Aufschnaiter, der fast 40 Jahre am bedeutsamen Passauer fürstbischöflichen Hof wirkte. Mehr als 300 Werke sind vom ihm überliefert. Das Notenmaterial fand Gunar Letzbor im Stift Lambach in Oberösterreich. Stringent sei diese Musik, meint Letzbor, von barocker, theatralisch überzeichneter Intensität. „Der Katholik Aufschnaiter schuf zu alten lateinischen Texten Tongemälde, die wie die ausufernden Malereien in katholischen Barockkirchen das Heilsgeschehen zuerst emotional erlebbar machen wollen.“ Die Interpretation dieses interessantenWerkes wirkte nicht ganz so überzeugend wie die Aufführung von Bibers Musik. Zu große Pausen zwischen den vielen Einzelteilen erforderten doch viel Konzentration von den Zuhörern. Bei Biber dagegen konnte man sich dem raffinierten Klanggeschehen einfach überantworten und hingeben. In der Mittelachse der vier Konzerttage standen drei bemerkenswerte Konzerte, die durchaus exemplarisch für das Erfolgsmodell des Regensburger Festivals stehen. Da ist einerseits das Modell der beliebten Nachtkonzerte, die für viele zu den absoluten Highlights der Tage Alter Musik gehören. Die nächtliche Stimmung in den alten Kirchenräumen schafft die besonders dichte Atmosphäre konzentrierter Mystik und Kontemplation, die vor allem dann zu unvergesslichen Erlebnissen werden, wenn herausragende Vertreter der Vokalmusik auf dem Programm stehen. Der Tenebrae Choir ist ein solches Ensemble, das stets in der Lage ist, seinen Gesang mit dem Raum vollends verschmelzen zu lassen. Im Mittelpunkt ihres Nachtkonzerts am Samstag in der Dominikanerkirche stand der Jubilar Giovanni Pierluigi da Palestrina, dessen 500. Geburtstag gerade begangen wird. Einige Tage zuvor waren im Eröffnungskonzert der Domspatzen schon Motetten von ihm zu hören, insofern war allein der Stilvergleich und die unterschiedliche Aufführungspraxis ein spannender Aspekt, ohne jedoch das eine gegen das andere in Qualität und Klanglichkeit abwägen zu wollen. Unter der Anleitung von Nigel Short agierte das nur 14-köpfige britische Spezialensemble bei der Gestaltung der „Missa Viri Galilaei“ wendig und dynamisch hochdifferenziert, mit glasklarer Struktur und minutiöser Ausgestaltung von Sprachfarbe und Dramaturgie. Das war erwartungsgemäß nicht nur Vokalpolyphonie in handwerklicher Perfektion, sondern auch eine mehrdimensionale, konzentrierte Ausdeutung sakraler Musikkunst, die schon nach wenigen Minuten weit mehr war als ein nächtliches Konzert der absoluten Spitzenklasse. Tage Alter Musik Regensburg 2025 39 Der Tenebrae Choir in der Dominikanerkirche St. Blasius Nigel Short, der Leiter des Tenebrae Choir Sakrale Musikkunst im Nachtkonzert, dann vergnügliche Lieder aus Spanien Der Tenebrae Choir ließ bei Musik von Palestrina Gesang und Raum in der Dominikanerkirche vollends verschmelzen. Ein Kontrastprogramm bot das Ensemble Cantoría mit einer Auswahl an deftigen Ensaladas Autor: Andreas Meixner // 10. Juni 2025
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