Tage Alter Musik – Almanach 2025

Splendor Austriae, darum ging es im Konzert des Ensembles Ars Antiqua Austria unter Leitung von Gunar Letzbor. Die Prachtentfaltung der Musik an den geistlichen Höfen in Salzburg und auch in Passau ist für heutige Vorstellungen unfassbar. An die 30 Musiker und Solisten, dazu die St. Florianer Sängerknaben, fanden im Chorraum der Dreieinigkeitskirche Platz, auf verschiedensten Podesten ganz raffiniert verteilt, um ein Klangerlebnis wie im Salzburger Dom mit seinen vier Vierungsemporen zu ermöglichen. Auch die drei Truhen-Orgeln standen verteilt. Der Trompetenchor zusammen mit den Pauken nahm die höchste Position ein, sorgte als Sinnbild der Göttlichkeit für ungehemmte Strahlkraft, alle zusammen für ein beeindruckendes Musikerlebnis. Heinrich Ignaz Franz Bibers Vesperae à 32 ist mehrchörig angelegt und folgt darin der Tradition antiphonaler Musik, die ihre Wurzeln in der Musizierpraxis des alten romanischen Salzburger Doms hat und im barocken Neubau, 1628 geweiht, im neuen Stil wiederbelebt wurde. Biber kam 1670 nach Salzburg, nahm die dortigen Traditionen auf und füllte diesen Rahmen mit repräsentativer, klangprächtiger Musik. Die Vesperae gehören zu den ersten größerenWerken, die er für den Salzburger Erzbischof schrieb, wohl in der Hoffnung, vomGeiger zum Kapellmeister befördert zu werden. Wohl für Mariae Himmelfahrt gedacht, nimmt man aufgrund der Bläserbesetzung an, dass der Erzbischof höchstselbst auch anwesend war bei der ersten Aufführung. Virtuose Violinsoli schrieb der Komponist für sich selbst hinein. Die St. Florianer Sängerknaben fungierten auch als Solisten, schlugen sich wacker gegen die volle Lautstärke des Ensembles. Die äußerst prächtige Besetzung in immer wieder unterschiedlichen Zusammensetzungen machte die unmittelbare Faszination von Bibers Musik erfahrbar. Frisch und unberechenbar ist diese Musik, in der Grundstruktur einfach, aber im Detail von unglaublichem Reichtum. Man erlebte die experimentellen Abenteuer des frühen Barock, das Ausufernde und Verzierte in bester Interpretation. Das ist süddeutsche Barockmusik vom Feinsten. Am Ende des Dixit Dominus wehte es einen schier weg, da stellte sich ein richtiges Salzburg-Feeling ein, mit umlaufendem Klang. Beim abschließenden Gloria im Magnificat denkt man an Monteverdi, kann ganz unterschiedliche musikalische Einflüsse erkennen. Tage Alter Musik Regensburg 2025 38 Frisch und unberechenbar: Hier wurde die ganze Faszination von Bibers Musik fassbar Süddeutsche Barockmusik vom Feinsten war in der Dreieinigkeitskirche geboten. Ars Antiqua Austria und die St. Florian-Sängerknaben waren raffiniert im Raum verteilt, um ein Klangerlebnis wie im Salzburger Dom zu bieten Autorin: Claudia Böckel // 10. Juni 2025 Das Ensemble Ars Antiqua Austria und die St. Florianer Sängerknaben hatten sich raffiniert in der Dreieinigkeitskirche verteilt und boten ein Klangerlebnis wie im Salzburger Dom Pauken und Trompeten von Ars Antiqua Austria „thronten“ hoch oben

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