weltliche Huldigungskantaten, die später zum „Weihnachtsoratorium“ verwandelt wurden, so erklingen diesmal Trauermusiken für fürstliche Personen, die beträchtliche musikalische Substanzgemeinschaft mit den Bach’schen Passionen aufweisen. Für Ortsansässige ist’s ein „Déjà entendu“, wenn sie in der „Trauerode“ auf die verstorbene sächsische Königin die Grundlage jener (rekonstruierten) „Markuspassion“ entdecken, die just am selben Ort heuer in der Passionszeit durch die Regensburger Kantorei aufgeführt wurde. Rekonstruktion aus der Hand des britischen Komponisten Chad Kelly ist an diesem Abend umgekehrt die Begräbnismusik für Leopold von AnhaltKöthen, in der man immer wieder, geschickt neu textiert, Arien und Chöre der Matthäuspassion (sowie den Schlusschoral der Johannespassion) entdeckt. Zu viel Erdenschwere vermieden Gerne harrt man zwei lange Stunden auf den Bänken der Kirche aus, um sich von den Leistungen der Instrumentalisten und der acht teils solistisch auftretenden und zugleich den Chor bildenden Sänger ergreifen zu lassen. So schmerzbeladen sich die barocken Textgrundlagen auch geben, so mildverklärt wirkt die klangliche Umsetzung durch Solomon’s Knot in einem durchaus beschwingten, zu viel Erdenschwere vermeidenden Musizieren. Bewundern darf man zudem, wie der Rekonstrukteur Chad Kelly ohne Bach’sche Vorlage, doch im Bach’schen Geist den prachtvoll sich aufbauenden Chorsatz „Wir haben einen Gott“ neu schuf, wenn man auch bei seinen ebenfalls neu komponierten Rezitativen bei allem Respekt doch manchmal den Eindruck hat: Das hätte (und hat wohl) Johann Sebastian rhetorisch freier und überraschender formuliert. Tage Alter Musik Regensburg 2025 37 Into the Winds im Reichssaal Solomon’s Knot in der Dreieinigkeitskirche
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