Tage Alter Musik – Almanach 2025

Tage Alter Musik Regensburg 2025 36 Ein „Konzert“ im engeren Sinn? Davon kann bei den Tagen Alter Musik am Samstagvormittag keine Rede sein. Eher eine Kneipen-Session will die Gruppe Tunelanders dem Publikum bieten. Abgedunkelt ist die Galerie im Leeren Beutel, so dass trotz der frühen Tageszeit Abendstimmung entsteht, und die übliche Gegenüberstellung von Spielern und Hörern ist aufgehoben: Das Ensemble sitzt im Zentrum, umgeben von vier Publikumsblöcken. Was in diesem Rahmen erklingt, sind englische, schottische und irische Volksmelodien in barockem Gewand, auf Barockvioline, Flöten, Viola da gamba, Barockgitarre und Cembalo dargeboten von Musikern, die allesamt ihre Ausbildung an der Schola Cantorum Basiliensis durchlaufen haben. Einen Unterschied zwischen E und U wollen die Tunelanders (gestützt auf die historische Überlieferung) nicht anerkennen, und so fügen sich wie zwanglos wundervoll rhetorisch und virtuos dargebotene Sonaten von Corelli und Händel ins Programm dieses imaginierten Dubliner Wirtshaus-Abends ein, das die Fünf in glänzender Spiellaune und recht zugabenfreudig präsentieren. Gut, dass imVerlauf des Konzerts die Eingangstür des zunehmend stickig werdenden Saals geöffnet wird, so dass man sich frisch sauerstoffversorgt wieder demMusikgenuss hingeben kann. Wie eine inhaltliche Ergänzung wirkt das anschließende Nachmittagskonzert im Reichssaal des Alten Rathauses mit europäischer Tanzmusik des 13. bis 16. Jahrhunderts, bei dem das Publikum ebenso begeistert mitgeht wie jenes im Leeren Beutel, doch die Mittel sind hier andere. Wie bereits der Ensemblename Into the Winds verrät, wird nun auf Nachbauten historischer Blasinstrumente musiziert: darunter Pommern als weiterentwickelte Schalmeien, Zugtrompete und, nicht nur Ohrensondern auch spektakulärer Augenkitzel, Busine, eine gerade Trompete von immenser Länge. Das unveredelte, derbe Klangideal von einst Von den ersten spärlichen, zufälligen Tanzmusikaufzeichnungen des Mittelalters bis in die Renaissance reicht das Programm, von der eher derben Estampie und der gesetzteren Basse Danse bis zu späteren Formen wie Pavane, Saltarello, Branle und Bourree. Freunde eines unveredelten, derb krähenden Klangideals von einst kommen ganz auf ihre Kosten, wenn die Fünf von Into the Winds mit Pommern und Trompeten am Werk sind, wobei fantasievoll eingesetztes und dynamisch differenziert behandeltes Schlagwerk natürlich nicht fehlen darf. Es begleitet auch, dann ganz dezent, die intimeren Stücke, die im gedeckten Klang von Blockflöten lieblich schmeichelnd dargeboten werden. Absoluter Themenwechsel dann von ausgelassener Fröhlichkeit hin zu gemessener Staatstrauer beim abendlichen Konzert in der Dreieinigkeitskirche. Die zum vierten Mal zu den Tagen Alter Musik eingeladene britische Gruppe Solomon’s Knot spürt dort abermals dem „Parodieverfahren“ in Bachs Vokalmusik nach. Ging es im Jahr 2021, beim letzten Auftritt des Ensembles, um Volksmelodien in barockem Gewand boten die Tunelanders in der Städtischen Galerie im Leeren Beutel Juan Boronat von den Tunelanders: Das Ensemble zeigte sich beim Konzert in der Galerie im Leeren Beutel in glänzender Spiellaune Wundervoll zwanglos und virtuos: The Tunelanders sind in glänzender Spiellaune Das Ensemble schuf im Leeren Beutel eine Atmosphäre fast wie in einem Dubliner Wirtshaus. Auch bei der Tanzmusik im Reichssaal ging das Publikum mit – ein Kontrastprogramm zur Trauermusik, die später Solomon’s Knot in der Dreieinigkeitskirche darbot Autor: Gerhard Dietel // 10. Juni 2025

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