Tage Alter Musik Regensburg 2025 34 Barbara Strozzi war eine schillernde Figur. Sie lebte im Venedig des 17. Jahrhunderts mit ihren Kindern im Haushalt ihres Vaters Giulio Strozzi, der zu einer höchst einflussreichen Familie gehörte. Sie durfte studieren, an San Marco bei Francesco Cavalli. Das Hathor Consort aus Belgien zeichnete bei den Tagen Alter Musik, mit seinem Konzert in der Schottenkirche, ein musikalisches Porträt in fünf Bildern entlang ihrer spannenden Kompositionen, meist Solokantaten mit hier reich ausgestaltetem Continuo. Barbara Strozzis Leben ist nicht besonders gut erforscht, die Musikgeschichtsschreibung ist auch schnell mit der Vermutung bei der Hand, sie sei eine Kurtisane gewesen. Damals gab es wohl nur drei Möglichkeiten für Frauen: heiraten, ins Kloster gehen oder eben Kurtisane sein. Dorothee Mields, zusammen mit Hana Blažíková eine der beiden fantastischen Sängerinnen, die mit unglaublicher Variationsbreite Strozzis Werk zum Klingen brachten, bezeichnet sie als Punkrockerin des 17. Jahrhunderts, die alle Regeln der Polyphonie und der Harmonik kannte, sich aber traute, diese Regeln zu brechen und damit durchaus zukunftsweisend zu komponieren. Mit unglaublichem Swing Strozzi gilt als eine der Hauptvertreterinnen der weltlichen Kammermusik des 17. Jahrhunderts, komponierte 125 Vokalwerke, Arien, Kantaten und Madrigale, die durch Liedsammlungen in Europa verbreitet wurden. Ein sehr sinnliches Porträt von ihr hängt in der Dresdner Galerie Alter Meister und zeigt eine lebensvolle Gambenspielerin, gemalt von Bernardo Strozzi. Eine andere lebensvolle Gambistin ist Romina Lischka, die Leiterin des Hathor Consort. Unter ihren Händen gestaltete man einen überaus farbenreichen und klanglich immer wieder neu erscheinenden Basso Continuo, bestehend aus den Instrumenten Erzlaute, Barockgitarre, Theorbe, Lirone, zwei Harfen, Orgel, Bassgambe und Salterio. Dazu Violine und Nyckelharpa. Zwischen den Arien und Duetten, die man im Programm fünf Musen zugeordnet hatte, gab es Intros und instrumentale Stücke, hochvirtuoseste Gambenmusik mit unglaublichem Swing. Die Sängerinnen konnten sich getragen fühlen von ihren Mitspielern, sie erhielten jede Freiheit, um die Affekte in ganzer Bandbreite darzustellen von betörend bis klagend, von verzweifelt bis raffiniert. Die Stimme der einen hat mehr Süße, die von Hana Blažiková ist ein wenig herber: welche Freude, diesem Ensemble zu lauschen. Die Batzdorfer Hofkapelle hatte sich für die Tage Alter Musik drei Kompositionen aus der reichhaltigen Musiksammlung der fürstlichen Thurn & Taxis Hofbibliothek in Regensburg ausgesucht und sie gleich nebenan, in der Basilika St. Emmeram, aufgeführt. Gewohnt, in der Dresdner Staatsbibliothek nach Unbekanntem oder lange nicht Gespieltem zu suchen, wurde man auch in Regensburg fündig. ImMittelpunkt des Konzerts stand das „Concertante a tre oboi principale“ B-Dur von Theodor von Schacht. Barocke Punkrockerin läutet Festival ein Erste Eindrücke des Festivals: In der Schottenkirche war Barbara Strozzi zu entdecken, eine schillernde Komponistin aus Venedig. In der Basilika St. Emmeram führte die Batzdorfer Hofkapelle Werke aus der Thurn und Taxis Musiksammlung auf und in der Alten Kapelle erlebte das Publikum ein aufregendes Konzert vom Beggars Ensemble aus Frankreich Autorin: Claudia Böckel // 10. Juni 2025 Dorothee Mields und Hana Blažiková: Die beiden fantastischen Sängerinnen brachten mit unglaublicher Variationsbreite Strozzis Werk zum Klingen Die Batzdorfer Hofkapelle forschte in der Musiksammlung von Thurn und Taxis und führte Kompositionen direkt nebenan auf: in der Basilika St. Emmeram
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