gleiteten Aufführungspraxis der Domspatzen und ihre Verschränkung mit der A-cappella-Tradition des Domchors und andererseits die Reverenz an die Keimzelle der Tage Alter Musik, weil es ohne die Domspatzen auch dieses Festival nicht gäbe. Individuelle Qualität Zu hören war Hans Leo Hasslers „Missa octo vocum“ in der Begleitung der fantastischen Bläser des Ensembles „La Cetra Basel“ mit einer Reihe von verschiedensten Posaunen und Zinken. Die Messe Hasslers steht exemplarisch für die Mehrchörigkeit im venezianischen Stil in Colla-parte-Begleitung durch Blasinstrumente, ideal für den Anlass und für den Raum. Christian Heiß gelang es, den Gesang seiner Knaben mit dem Instrumentarium fein und durchsichtig zu verweben, dynamisch gemeinsam agieren zu lassen und den Wechsel zwischen homophonen und polyphonen Momenten in einer unglaublich schön ausgestalteten Homogenität zusammenzuführen. Ein edler, unaufdringlicher Klangrausch, der sich in dem riesigen Kirchenschiff keineswegs verlor, weil der Domkapellmeister mit der Akustik jonglierte und Dynamik sowie Artikulation blind durch dieses Raumvolumen navigierte. Und er kann sich auf eine aktuelle Generation an Sängern verlassen, die über eine unerhörte individuelle Qualität verfügt, wie sie schon lange nicht mehr zu erleben war. Mit reduziertester Zeichengebung kann Heiß seine Domspatzen durch die Harmonien führen und Nuancen herausdestillieren, die in völlig entrückte, intonatorisch blitzsaubere Schlussakkorde münden – ohne Effekthascherei, wohl aber mit einer gemeinsamen, unmittelbaren Freude an der Gestaltung kleiner und großer Momente. Die Schweizer Bläserformation durfte freilich auch zeigen, was sie können und setzten kleine kompakte Werke von Biagio Marini und Giovanni Gabrieli in den Raum, als wäre nie etwas anderes hier erklungen. Künstlerisch aus einem Guss Aus dem a-cappella-Repertoire des Doms kontrastieren große Motetten von Claudio Monteverdi und des Jubilars Giovanni Pierluigi da Palestrina zu seinem 500. Geburtstag die klangmächtige Messvertonung Hasslers. Alles Hits der Domspatzen aus dem Kirchenjahr, superb in allen Belangen vorgetragen, mit großer Liebe zur Ausgestaltung und theologischer Intention. Palestrinas „Incipit lamentatio“ gelang dabei vielleicht am berührendsten in seiner klanglichen Ausbreitung und Harmonik. Heiß dirigiert nicht seine Jungs, er musiziert mit ihnen, sie singen für ihn. Es ist nicht übertrieben, wenn man die Ära Heiß derzeit in einem ersten großen Zenit sieht. Künstlerisch ist alles aus einemGuss, weil der Beobachter die verschworene Gemeinschaft nicht nur hört, sondern auch sehen kann – in Blicken und Gesten. Mit der mächtigenMotette „Buccinate in neomenia“ aus der Feder von Giovanni Croce beschworen die Bläser und Sänger in einem großen Tutti noch einmal die venezianische Renaissance, ehe die Zuhörer tief Luft holten und ihre Begeisterung keinen Halt mehr kannte. Der Applaus wurde reich belohnt mit demOsterfeger „Erstanden ist der heilig Christ“ von Melchior Vulpius. Mit allem, was singen und spielen kann. Was für ein großartiges, mitreißendes Spektakel. 1050 Jahre Regensburger Domspatzen. 40 Jahre Tage Alter Musik. 500 Jahre Palestrina. Was für ein Fest. Was für ein Auftakt der diesjährigen Festivaltage. Chapeau! Tage Alter Musik Regensburg 2025 33 Der vollbesetzte Dom St. Peter beim Eröffnungskonzert
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