brachte diese exquisite Kammermusik kompetent und mit musikantischer Frische zum Klingen. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhundert versetzten drei Sängerinnen, die sich zugleich auf Harfe, Laute und Viola da Gamba begleiteten, die Musikwelt Italiens in Erstaunen. AmHof des Herzogs Alfonso II. d’Este in Ferrara traten die Sopranistinnen als Concerto segreto mit einem außergewöhnlichen, lange unter Verschluss gehaltenen Repertoire auf. Luzzasco Luzzaschi war der Komponist dieser Madrigale. An anderen Höfen fanden die singenden Damen bald Nachahmerinnen. Giulio Caccini und seine Tochter Francesca, Luca Marenzio und sogar Claudio Monteverdi komponierten von Instrumenten begleitete Madrigale für drei Frauenstimmen. – Nach dem Vorbild des Concerto segreto oder Concerto delle donne trugen Camile Allérat, Julie Roset und Ana Vieira Leite in der Minoritenkirche mit schlanken, virtuosen Stimmen eine Auswahl aus den „Madrigali per cantare et sonare“ vor, die Luzzaschi nach dem Ende des Concerto segreto veröffentlichte und damit der Nachwelt bewahrte. Außerdem präsentierten sie Auszüge aus Francesca Caccinis Oper „La liberazione di Ruggiero dall’isola d’Alcina“ und Monteverdis „O come dolce hoggi l’auretta“ sowie Marenzios „Belle ne fe natura“ aus der Bühnenmusik zu „La Pellegrina“. Yoann Moulin (Cembalo), Garance Boizot (Viola da Gamba) und Ulrik Gaston Larsen (Theorbe) komplettierten das Ensemble La Néréide. Dem festlichen Anlass mehr als angemessen gingen die 40. Tage Alter Musik am frühen Abend zu Ende. Mit dem gregorianischen Choral „Beata viscera“ zog Le Concert Spirituel, angeführt von Hervé Niquet, in die Dominikanerkirche ein. Dort formierte sich das französische Ensemble in der Vierung kreisförmig in fünf Chören plus Instrumentalisten (Zink, Posaunen, Dulziane, Basso continuo) für ein Johannesoffizium, wie es Mitte des 17. Jahrhunderts im Dom zu Florenz aufgeführt worden sein könnte. Den Fixpunkt bildete die Missa sopra Ecco sì beato giorno von Alessandro Striggio, ergänzt durch geistliche Musik von Orazio Benevoli, Francesco Corteccia und – selbstverständlich – Giovanni Pierluigi da Palestrina. Die Wirkung der 40-stimmigen Messe in der großen Dominikanerkirche war geradezu umwerfend. Wie Meereswogen bauten sich die Spannungsbögen auf, präzise und markant von Niquets geleitet, um sich immer wieder in einem wahren Klangrausch über den Köpfen der ca. 800 Zuhörerinnen und Zuhörer zu entladen. So also ließen die Herzöge der Toskana sich, ihre Macht und ihren Reichtum feiern. Zum Finale – die Abendsonne erleuchtete die Dominikanerkirche – feierten die Musikerinnen und Musiker mit einer monumentalen Darbietung die 40. Auflage der Tage Alter Musik in Regensburg. Schließlich schlug ihnen begeisterter Applaus des Publikums entgegen. Standing ovations zum Abschluss eines gelungenen Festivals. Man kann den Veranstaltern nur gratulieren und weiterhin ein glückliches Händchen wünschen. – Ad multos annos! Tage Alter Musik Regensburg 2025 31 Schlusskonzert mit Le Concert Spirituel in der Dominikanerkirche Ana Vieira Leite vom Ensemble La Néréide
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