Tage Alter Musik – Almanach 2025

Leiterin Romina Lischka setzte mit Bartolomeo de Selma y Salaverdes Variationen über „Susanne un jour“ ein besonderes virtuoses Ausrufezeichen. Strozzis Duett „Baci“ und ein letzter Kuss beendeten das Programm. Das jubelnde Publikum wurde mit einer Zugabe – „Tradimento“ von Barbara Strozzi – in die Regensburger Nacht entlassen. Die Matinee des jungen Ensembles The Tunelanders aus der Schweiz hätte am Samstag ein weiterer Festivalhöhepunkt werden können. Musikalisch war sie es auch ohne Zweifel. Amir Tiroshi (Flöten), Vadym Makarenko (Barockvioline), Soma Salat-Zakariás (Viola da Gamba), Pablo FitzGerald (Barockgitarre) und Joan Boronat (Cembalo) präsentierten eine lockere Mischung englischer, schottischer und irischer Folkmusik in eigenen Arrangements oder ausgewählt aus historischen Quellen von Francesco Geminiani u.a. einerseits und Barockmusik von Corelli (Violinsonate D-Dur op. 5 Nr. 1) und Händel (Blockflötensonate F-Dur) andererseits. Leider wurde das Konzerterlebnis, eine Reminiszenz an Live-Musik in einem irischen Pub des 18. Jahrhunderts, durch die äußeren Umstände im schwülwarmen Saal des Leeren Beutels sehr getrübt. Dass man Programme für mittlerweile 10 Euro pro Stück verkauft (nach wie vor sehr informativ und damit lohnenswert), aber gleichzeitig den Saal abdunkelt, mag noch angehen. Dass man aber die Stühle – viele nur so breit, dass sie kaum Viertklässlern zumutbar sind – auch noch mit Kabelbindern aneinanderkettet, ist wohl dem inzwischen überhand nehmenden Sicherheitswahn in unserem Land geschuldet. So mussten erwachsene fremde Menschen dicht an dicht und Schulter an Schulter fast anderthalb Stunden der wirklich kurzweiligen Musik beinahe atemlos lauschen. Auf einen flehenden Blick des Cembalisten blieb wenigstens die einzige Tür zum Saal irgendwann offen. Die sympathischen Tunelanders hätten für ihren Auftritt wahrlich bessere Bedingungen verdient. Dennoch begeisterten sie tapfer ihr Publikum und ließen noch manche Zugabe hören. Musik an historischen Orten fordert ihren Tribut, sei es auf harten Bänken, in kalten Kirchen oder in schwülwarmen Sälen. Treue Besucher der Tage Alter Musik nehmen das gerne in Kauf. Auch imReichssaal kann man leicht ins Schwitzen kommen. Doch in diesem Jahr – das Wetter zu Pfingsten war recht durchwachsen – hatten wir Glück. Into the Winds, ein fünfköpfiges Bläserensemble aus Frankreich, lud am frühen Samstagnachmittag zu einer Zeitreise durch die Geschichte der europäischen Tanzmusik vom Mittelalter bis zur frühen Neuzeit ein. Der Tanz hatte in jener Zeit sowohl beimAdel als auch beim Bürgertum repräsentative Aufgaben. Entsprechend klangen die Estampies, Basse Danses und Balli, mit Pommern, Zugtrompeten, Businen und Schlagwerk vorgetragen, erhaben und prächtig. Darüber hinaus wusste Into the Winds auch mit leiseren, graziösen und virtuosen Klänge zu überzeugen. Mit großer Spannung wurde am Abend der inzwischen vierte Auftritt von Solomon’s Knot bei den Tagen Alter Musik erwartet. Die britische Formation hat unter der Leitung von Jonathan Sell ein reines Bach-ProTage Alter Musik Regensburg 2025 27 Dorothee Mields und Hana Blažíková in der Schottenkirche St. Jakob Die Tunelanders in der Städtischen Galerie im Leeren Beutel

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