druck von der Vielfalt und Entwicklung europäischer Tanzmusik vermittelte. Erst Jahrhunderte nach der estampie, die einzig dem Namen nach einen Eindruck von der - doch eher robusten - Art vermitteln mag, wie zu ihr getanzt worden war, finden sich erste Notate auch der Bewegungen, wie zur überlieferten Tanzmusik zu schreiten, zu gleiten oder durchaus auch zu hüpfen sei. Die Menschen müssten wie Sterne kreisen, schwärmten die mit der Festgestaltung bei Hofe Betrauten, der Tanz verbinde Himmel und Erde in kosmischer Harmonie. Getanzt wurde durchaus auch bei kirchlichen Anlässen: Wieder zeigt sich - wie in den Ensaladas der spanischen Renaissance - eine verblüffende Durchlässigkeit geistlicher und weltlicher Musik. Nach dem eigentlichen Konzert erläutern die fünf Musiker in einem zusätzlichen Gesprächskonzert die ausgewählten Kompositionen, musikalische Ergänzungen, die Instrumente und die eine oder andere Tanzschrittfolge. Man könnte die Neugier, ja, die Wissbegierde, für eine Eigenheit des Regensburger Publikums halten. Oder liegt sie doch in der Konzeption dieses Festivals begründet, das Ludwig Hartmann und Stephan Schmid, bei seiner Gründung noch angehende Lehrer, seit vierzig Jahren ehrenamtlich künstlerisch verantworten? In der kompakten Verbindung von sechzehn Konzerten an vier Tagen, zwischen denen genügend Zeit für kleine Stärkungen bleibt, um auch das komplette Programmmitzuerleben, mit einer Verkaufsausstellung von Nachbauten historischer Instrumente, in der sich Aufführende und Zuhörende des Festivals treffen? Liegt es in der Musik selbst mit ihren Freiheiten, ihren Eigenwilligkeiten und ihren oft überraschenden Verbindungen über Länder-, über Sprachgrenzen und über Jahrhunderte hinweg? Das Interesse, die Offenheit und Unbefangenheit, mit der das Publikum die Musiker empfängt, findet eine Entsprechung, eine Vorlage in der Bereitschaft früherer Zeiten, Austausch als eine Bereicherung zu erfahren, das Fremde oder zunächst fremd Wirkende als etwas Inspirierendes. Und ist nicht Pfingsten auch das Fest, an dem den Jüngern gegeben wurde, sich über alles Trennende hinweg verständlich zu machen? Was er empfehlen würde, um jemanden für das „Abenteuer“ Alte Musik zu begeistern, wird Nigel Short, Leiter des Tenebrae Choir, im Programmheft zum Festival gefragt. Sein Chor hat - vornehmlich mit Kompositionen Palestrinas, der vor 500 Jahren geboren wurde - diesmal in Regensburg eines der drei Nachtkonzerte gegeben, ein nicht nur durch die späte Stunde, die Konzentriertheit des gerade einmal vierzehnköpfigen Chors und die Eindringlichkeit der Musik in der Dominikanerkirche St. Blasius höchst intimes musikalisches Erlebnis. Man möge, ist Shorts Antwort, Musik finden, die einen persönlich ganz natürlich und unmittelbar anspricht. Von dort ist es ein kleiner Schritt, mehr über das Werk, über seinen Komponisten, über die Besonderheiten dieses Stücks wie die Gepflogenheiten der Musik in seiner Zeit erfahren zu wollen. Die Tage Alter Musik bieten dazu die schönste Gelegenheit. Tage Alter Musik Regensburg 2025 24 La Néréide am Pfingstmontag in der Regensburger Minoritenkirche St. Salvator Der Tenebrae Choir Samstagnacht in der Regensburger Dominikanerkirche St. Blasius
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