sinnig engagiertes Publikum hier, die Konzerte sind eigentlich immer alle ausverkauft. Und vielleicht ist das ein Grund, warum man dann mit den Gagen von den Künstlern, von Künstlerseite her, dann eher auch auf uns eingeht. Detlef Krenge: Wenn wir jetzt aber den Spieß umdrehen, und ich bin kein Big Name, sondern vielleicht ein junger Musiker, und ich habe vielleicht gerade einenWettbewerb gewonnen, habe tolle Programme und tolle Ideen, und sage, ich würde gerne bei euch auftreten bei den Tagen Alter Musik. Was muss ich tun? luDwIg HartMann: Einfach eine E-Mail an uns schicken, und heutzutage ist das ganz selbstverständlich normal, dass man irgendwelche Links kriegt zu YouTube-Videos oder Aufnahmen, und dann hören wir uns das an. Wir erwarten eigentlich schon immer LiveMitschnitte, und dann sagen wir, das ist interessant, programmatisch oder interpretatorisch, dann nimmt man Kontakt auf. Und es muss natürlich in das Gefüge reinpassen, von der Literatur her, dann muss es reinpassen in die Räume, die uns zur Verfügung stehen, also das ist dann der zweite Teil, aber so läuft es normalerweise. Oder ganz altmodisch bekommt man auch durchaus noch CDs zugeschickt und verschriftlichtes Material. Detlef Krenge: Denn das ist ja sozusagen auch eine Spezialität von euch, dass man eben nicht nur die Stars der Szene, sondern eben auch immer wieder Unbekanntes serviert bekommt. Welches Musikstück oder welcher Komponist der Alten Musik findet Deiner Meinung nach imKonzertleben zu wenig Beachtung? Was wäre Dein Geheimtipp? luDwIg HartMann: Also, wenn ich jetzt ganz aktuell darauf eingehe, dann muss ich sagen, Barbara Strozzi. Das war unglaublich, dieses Konzert, was hier stattgefunden hat, und die Komponistin findet ja sonst imKonzertleben überhaupt nicht statt. Und was sie da geschrieben hat und was da aufgeführt worden ist, das war für mich schon sehr bedeutend. Detlef Krenge: Und Ludwig, Du hast es gemerkt, ich habe dir eine Frage gestellt, die Du selber im diesjährigen Programmbuch den Künstlern gestellt hast, die im Jubiläums-Jahr hier spielen. Danke für Deine Antwort. Ilona HannIng: Ludwig, Dich sieht man hier in den Konzerten sehr oft in der Kirche stehen, das Handy gezückt, vorher, nachher, immer wild amHantieren. Du bist Mädchen für alles, musst Dinge regeln, denn während der Konzerte wird ja auch noch an anderer Stelle geprobt und so weiter. Kannst Du Dich erinnern, gab es mal irgendeine Situation, wo Du gedacht hast, oh mein Gott, wie soll ich das jetzt lösen? luDwIg HartMann: Man kriegt vielleicht einen falschen Eindruck, Mädchen für alles bin ich auf keinen Fall. Ich denke, wir sind ein gutes Team, wir sind zu dritt, es ist ja der Stephan Schmid und der Paul Holzgartner noch dabei und ich. Und das ganze Konstrukt ruht auf uns allen. Und es gibt halt manchmal Situationen, wo man ganz schnell was entscheiden muss oder handeln muss, und dann ist es ganz gut, wenn man da einen Kontakt hat. Aber ich muss sagen, wo man dann völlig überrascht worden ist, da kann ich mich nicht erinnern, dass in den vergangenen 40 Jahren mal irgendwie was ganz chaotisch war und wo man gesagt hat, das kriegen wir jetzt nicht mehr hin. Es wird top vorbereitet alles. Da muss ich an der Stelle wirklich nochmal sagen, der Paul Holzgartner, der entwirft ein Manuskript von 25 Seiten, wo das gesamte Wochenende minutiös geplant ist und wo alles aufgeschrieben ist. Und jeder Mitarbeiter bekommt den Plan und kann sich danach richten, und der wird dann immer aktualisiert. Also eigentlich darf nichts passieren. Ilona HannIng: Dann hoffen wir mal, dass auch heuer nichts mehr passiert und auch diese Jubiläumsausgabe ohne Pleiten, Pech und Pannen zu Ende geht. Danke Dir, Ludwig. Ludwig Hartmann, einer der Festivalleiter, war hier live zu Gast bei uns im Studio in Regensburg. Alles Gute für euch. luDwIg HartMann: Danke. Musik: Marin Marais 8. Satz: Ritournelle - Chaconne Aus: „Suite des airs à jouer“ zur Oper „Alcyone“ Le Concert des Nations Leitung: Jordi Savall Detlef Krenge: Ritournelle-Chaconne von Marin Marais. Das war Jordi Savalls Concert des Nations, eine Aufnahme von 2002 hier bei den Tagen Alter Musik. In diesem Jahr gibt es eine Aufführung hier in Regensburg, die ist ganz ohne Live-Musik ausgekommen. Ilona HannIng: Es wurde nämlich ein Film präsentiert. Und in diesem Film geht es um einen der großen Komponisten in der Renaissance, es geht umOrlando di Lasso. Und einen 70-minütigen Film über einen Renaissance-Komponisten zu machen, den viele heutzutage ja nicht mehr kennen, ist echt toll. Detlef, wie hat man sich denn in diesem Film der Persönlichkeit von Orlando di Lasso genähert? Detlef Krenge: Das ist ein Dokumentarfilm vom belgischen Regisseur Joachim Thôme. Es geht also ganz sachlich zu, es wurden keine Geschichten oder vermeintliche Storys erfunden oder sogar nachgestellt, aber es ist ganz oder gar nicht trocken geworden. Der rote Faden ist die Biografie und erzählt wird vor allem in Form von Interviews. Das heißt international renommierte Experten, Musikwissenschaftlerinnen und Musikwissenschaftler, erzählen sehr anschaulich aus verschiedenen Perspektiven, man hört verschiedene Sprachen: Italienisch, Französisch, Deutsch, Englisch und sogar auch Flämisch. Und diese Interviews sind auch sehr atmosphärisch inszeniert, immer vor dunklem oder schwarzem Hintergrund mit ästhetisch präsentierten Bildern, zum Beispiel aus Handschriften oder Notendrucken, es werden Gemälde eingeblendet oder Briefe. So wird zum Beispiel der Mielich-Codex mit Orlandos Bußpsalmen, also eine sehr opulente Prunk-Handschrift, auch sehr schön präsentiert. Visuell ist das sehr ansprechend umgesetzt, lenkt aber andererseits eben auch nicht vom Thema Orlando ab. Es ist eher eine locker konzentrierte Grundstimmung. Ilona HannIng: Und was für eine Rolle spielt die Musik in diesem Film? Immerhin ist Orlando di Lasso ja einer der größten Komponisten des 16. Jahrhunderts... Detlef Krenge: Die Musik spielt tatsächlich eine zentrale Rolle, aber weniger in der Beschreibung, als im tatsächlichen MusikTage Alter Musik Regensburg 2025 19 Der belgische Filmregisseur Joachim ThÔme bei der Vorführung von ORLANDO im Garbo-Kino
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