hört: Es gibt hier diesen familiären Touch, es kennen sich alle untereinander, es gibt auch beim Publikum viele Stammgäste, auch die Anbindung der Künstler an das ganze Team ist sehr innig, es herrscht ein ungezwungener Ton. Ludwig, ist das Absicht, dass ihr keins von diesen Hochglanz-Festivals seid, sondern einen ganz lockeren und engen Umgangston pflegt? luDwIg HartMann: Ja, das möchte ich schon so sagen. Es gibt viele Negativbeispiele, und da wollen wir uns eigentlich nicht damit identifizieren. Unser Ton ist eben ein anderer. Bei uns geht es wirklich locker zu und die Leute haben alle Interesse an der Musik. Auch die Mitarbeiter, die hören sich auch zum Teil die Konzerte mit an, und der ganze Umgangston, es geht halt ums Festival. Es geht nicht um Personen, es geht ums Festival, und das ist schon ganz gut in den Stimmen gehört worden, in den Reaktionen. Und das fand ich gut. Ilona HannIng: Dieses Festival hat ja mal ganz klein angefangen. Ihr seid mit einer Idee im Kopf in den Zug gestiegen, nach Utrecht zum Alte-Musik-Festival, und Jan Nuchelmans, der Begründer dort vom Festival, der hat im Vorwort geschrieben: Ja, also, da kamen die Jungs aus Regensburg, hatten einen Zettel dabei, haben sich irgendwas auf den Zettel geschrieben, und er weiß aber verdammt nochmal bis heute nicht, was auf diesem Zettel stand. Ludwig, was habt ihr euch aufgeschrieben, was habt ihr da mitgenommen? luDwIg HartMann: Wir haben uns Fragen zusammengestellt, wie das organisatorisch funktioniert, mit den Kirchen. Dort in Utrecht ist das ja ähnlich wie bei uns, also an verschiedenen Konzertorten. Wie sind die Zeiträume, wann finden Konzerte statt, es gibt ja auch die Nachtkonzerte und so. Und das hat uns alles dort sehr beeindruckt. Und wir haben gesagt, das müssen wir in Regensburg auch machen, weil die Stadt gibt es her. Auch in Utrecht ist alles fußläufig zu erreichen, das ist in Regensburg genauso. Und so wurde diese Idee geboren, und wir sind halt auch Fans dieser Musik. Das kommt natürlich ganz entscheidend dazu. Ilona HannIng: Und einen Musiker der ersten Stunde bei den Tagen Alter Musik, den hören wir jetzt. Damals noch amAnfang seiner Karriere, heute ein Big Name mit einem enormen Wissen rund um die Alte Musik, Reinhard Goebel. Der Bayerische Rundfunk war von Anfang an mit dabei und deshalb können wir jetzt den jungen Goebel bei den Tagen Alter Musik in Regensburg hören. Eine Aufnahme aus den Achtzigern. Musik: Johann Sebastian Bach aus: Sonate für Violine und Cembalo Nr. 6 GDur, BWV 1019a 4. Satz: Adagio 3. Satz: Cantabile, ma un poco adagio Reinhard Goebel (Barockvioline) Robert Hill (Cembalo) (Aufnahme bei den Tagen Alter Musik 1984) Detlef Krenge: Musik von Johann Sebastian Bach war das, mit Reinhard Goebel. Und tatsächlich eine Aufnahme aus dem allerersten Jahrgang der Tage Alter Musik Regensburg aus dem Jahr 1984. Ludwig, hast Du noch Erinnerungen an diesen Auftritt von Goebel damals? luDwIg HartMann: Ja, ich kann mich erinnern. Es war imHerzogssaal, der jetzt leider als Konzertsaal nicht mehr zur Verfügung steht. Er war mit Musica Antiqua Köln da, also mit seiner ganzen Gruppe, da haben wir das Abschlusskonzert gemacht. Und das war so ein Bach-Sonaten-Vormittag, eine Matinee – das ist alles, was ich noch weiß. Ilona HannIng: Heute ist Reinhard Goebel ja eine Institution in der Szene. Und ich frage mich immer, ihr seid ein bedeutendes Festival, aber ihr habt nur einen kleinen Etat, einen sehr geringen finanziellen Spielraum. Wie schafft ihr es immer wieder, diese Big Names hier nach Regensburg zu holen? luDwIg HartMann: Ich glaube, wir haben einen guten Ruf in der Szene. Mittlerweile ist es so, dass die Musiker glauben, dass es wichtig ist für ihr Portfolio, wie man so schön sagt, dass sie mal in Regensburg aufgetreten sind. Wir haben einen guten Namen, und dann werden die auch besser gebucht. Das ist der entscheidende Punkt. Und es spricht sich rum, was wir bieten und was wir leisten können: das ist eine Rundumversorgung von Probenmöglichkeiten und Generalproben. Und sie wissen, es ist ein wahnTage Alter Musik Regensburg 2025 18 Konzertkasse und CD-Verkauf in der Minoritenkirche vor dem Konzert mit dem Ensemble La Néréide
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