Tage Alter Musik – Almanach 2025

enschicksalen, trotz super klugen Hirnzellen, wie schwer sie es hatten, trotzdem ihren Fuß, ihren Platz in der Männerwelt zu finden. Er hat eine Gesellschaft, eine Academia gegründet, in der sich die Intellektuellen Venedigs getroffen und ausgetauscht haben. Ja, und man hielt sich gerne in ihren Salons auf, weil sie offenbar auch eine sehr, sehr gute Gesellschaft war, also sehr unterhaltsam, klug, sehr witzig. Jetzt weiß ich nicht, ob ich die Geschichte irgendwie nochmal ganz hinkriege: Sie stellte diese Frage, Leute, was ist die höhere, wahrhaftigere Kunst, die Musik oder die Emotionen, die Tränen oder der Gesang? Und man sagte: Ja, die Tränen sind wahrhafter. Und sie sagte, nein, falsch. Hätte ich euch jetzt auf eine Stunde Unterhaltung durch Tränen eingeladen, wärt ihr alle weggeblieben. Jetzt aber habe ich euch eingeladen auf eine Stunde voll Gesang mit dem Thema Tränen, und ihr hört alle gebannt zu und seid hier. Wirklich sehr klug. Ilona HannIng: Sie hat ja sehr ausdrucksstark komponiert, haben Sie auch gerade schon erwähnt, und war auch sehr witzig und ironisch teilweise. Würden Sie sagen, steht die Musik von Barbara Strozzi auf einer Stufe mit der ihrer männlichen Zeitgenossen, eines Cavalli zum Beispiel, und auch eines Monteverdi? DorotHee MIelDs: Locker! Also ja, auf jeden Fall. Sie ist anders, sie ist sehr eigen. Was eigentlich nur unterstreicht, dass sie auf einem Level mit den Großen ihrer Zeit steht. Ich glaube, nur wenige Männer haben zu Lebzeiten so viel veröffentlicht wie sie. Das ist schon außergewöhnlich. Auf der Suche für dieses Konzertprogramm – und die CD kommt dann ja auch noch im Laufe des Jahres raus – sind wir durch das ganze Oeuvre gegangen und wir haben sehr viel angeschaut. Und ich muss sagen, ich habe da nichts Weichgespültes gefunden, wo ich dachte, okay, naja, das hat sie jetzt mal irgendwie auf dem Klo komponiert oder so, sondern das hat einfach alles ein sehr großes, hohes Niveau und bringt Aussagen immer auf den Punkt. Sie braucht wenige Takte, um eine Atmosphäre zu schaffen, sondern zack, ist gleich da. Also immer. Musik: Barbara Strozzi „Begli occhi“ op. 3/9 Dorothee Mields, Sopran Hana Blažíková, Sopran Hathor Consort Leitung: Romina Lischka Detlef Krenge: Musik von Barbara Strozzi mit Dorothee Mields, Hana Blažiková und demHathor Consort. Circa 500 Meter Luftlinie von hier, vom BR-Studio Regensburg, steht das Schloss der Fürsten von Thurn und Taxis. 1792 tritt dort einer der ganz großen Oboisten seiner Zeit auf, Ludwig Ramm. Ramm ist Oboist der berühmten Mannheimer Hofkapelle. Wolfgang Amadeus Mozart hat mehrere Werke für ihn komponiert, und Ramm tritt damals in ganz Europa auf, unter anderem eben auch hier am Hof von Thurn und Taxis. Wenn so ein Musiker, so ein Big Name, nach Regensburg kommt, dann will man ihm auch etwas bieten. Also hat Theodor von Schacht, der damalige Intendant der Hofmusik des Fürsten von Thurn und Taxis, ein Werk komponiert. Ilona HannIng: Aber kein Solokonzert, wie man vielleicht vermuten würde, sondern eine „Concertante a tre oboi principale“, also eine Orchestermusik mit drei solistischen Oboen. Das heißt, er muss zwei richtig gute Oboisten in der eigenen Hofkapelle in Regensburg gehabt haben, weil dieses Werk wirklich sehr virtuos ist für die Solo-Oboen. Die Solo-Oboistin der Akademie für Alte Musik, Xenia Löffler, hat dieses Werk aufgenommen und bei den Tagen Alter Musik Regensburg heuer live gespielt. Dazu hat sie sich ihren Kollegen Michael Bosch geschnappt und den Oboisten Alfredo Bernardini und zusammen mit der Batzdorfer Hofkapelle haben die drei dieses Werk in der Basilika Sankt Emmerammusiziert. Daraus jetzt der dritte Satz. Musik: Theodor von Schacht Concertante a tre oboi principale B-Dur für 3 Solo-Oboen, 2 Hörner, Streicher und Basso continuo 3. Satz: Rondeau Allegretto Xenia Löffler, Alfredo Bernardini und Michael Bosch, Oboe Batzdorfer Hofkapelle Leitung: Daniel Deuter Detlef Krenge: Musik, die hier in Regensburg amHof des Fürsten von Thurn und Taxis gespielt wurde im 18. Jahrhundert, gar nicht weit entfernt vom Regensburger Studio. Dies war ein Satz aus dem „Concertante a tre oboi principale“ von Theodor von Schacht, damals Intendant der Hofmusik. An den drei Oboen hörten sie Xenia Löffler, Alfredo Bernardini und Michael Bosch, sie haben zusammen mit der Batzdorfer Hofkapelle gespielt. Ilona HannIng: Das Tafel-Confect von BRKlassik und SWR Kultur live von den Tagen Alter Musik hier in Regensburg. Neben meinem Kollegen Detlef Krenge und mir steht jetzt einer der beiden Männer, der dieses Festival mitgegründet hat und es bis heute leitet. Ludwig Hartmann, grüß Dich Ludwig. luDwIg HartMann: Hallo, Grüß Gott. Ilona HannIng: Wir duzen uns, weil wir uns schon länger kennen. Ludwig, Du hast selbst Barock-Oboe gespielt. Und wenn du Tage Alter Musik Regensburg 2025 16 Dorothee Mields und Hana Blažíková bei ihrem Konzert mit dem Hathor Consort in der Schottenkirche St. Jakob

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