Tage Alter Musik – Almanach 2025

te mich ganz herzlich bei Dir bedanken, dass Du heute hier zu uns ins Studio gekommen bist. gunar letzbor: Ja, danke euch, gern. Musik: Heinrich Ignaz Franz Biber Passacagli Aus: Sonate für Violine und Basso continuo Nr. 6 c-Moll Gunar Letzbor, Violine Ars Antiqua Austria Ilona HannIng: Der Barockgeiger Gunar Letzbor und sein Ensemble Ars Antiqua Austria mit Musik von Heinrich Ignaz Franz Biber. Das war die „Passacaglia“ aus der Geigensonate in c-Moll, das ist die sechste Sonate aus den acht Sonaten, die 1681 in Nürnberg herausgekommen sind. Detlef Krenge: BR-Klassik und SWR Kultur mit dem „Tafel-Confect“ live von den Tagen Alter Musik in Regensburg. Die Stadt an der Donau kennt auch die Sopranistin Dorothee Mields sehr gut. Als Teenagerin ist sie nämlich in den 1980er-Jahren nach Regensburg gefahren, und zwar mit ihrer modernen Geige im Gepäck. Sie hat dort Straßenmusik gemacht – und weil ihr Geigenlehrer ihr kurz vorher etwas von Barockgeigen erzählt hat und sie neugierig war, ist sie auch in ein oder zwei Konzerten bei den Tagen Alter Musik gewesen und wollte das mal live hören und erleben. Und das ist für sie dann tatsächlich der ultimative Schubs gewesen, um in die Alte Musik zu gehen und Barockmusik zu machen, wie sie selbst sagt. Ilona HannIng: Was für eine Geschichte! Damals hat sie in Regensburg auf der Straße Geige gespielt, und heute füllt sie die Schottenkirche, denn sie ist einer der großen Sängerinnen für Alte Musik. Zusammen mit einer weiteren großen Sopranistin aus der Szene, mit Hana Blažiková und demHathor Ensemble, hat sie das erste Nachtkonzert hier bei den Tagen Alter Musik in Regensburg gestaltet, und zwar mit Musik von Barbara Strozzi. Für mich persönlich ein Highlight bei den Tagen Alter Musik. Dorothee Mields hat die Komponistin Barbara Strozzi mal als Punk-Rockerin bezeichnet, weil sich diese Komponistin im 17. Jahrhundert über alle Konventionen hinweggesetzt hat. Vor dem Konzert konnte ich mit Dorothee Mields sprechen, und da habe ich sie gefragt, welche Konventionen hat denn die Punkrockerin Barbara Strozzi damals gebrochen, Frau Mields? DorotHee MIelDs: Sie hatte zwei hervorragende Lehrer, Francesco Cavalli und Claudio Monteverdi, und hat sozusagen den Weg, den sie genommen haben mit der sogenannten „Seconda pratica“, dass der Text die Musik regiert, man durch die Musik Emotionen ausdrückt und sehr, sehr subjektiv wird – den Weg hat sie sehr radikal einfach weiter fortgeführt. In der Wahl ihrer Harmonien, in der Wahl, wie sie Generalbass benutzt hat und Dissonanzen ausgelebt hat, zum Teil wird das abenteuerlich: wie sie mit Querständen arbeitet, zum Beispiel, wie Dissonanzen einfach wirklich physisch erfahrbar werden, um dann den entsprechenden Ausdruck von irgendeinemHerzensleid, was sie gerade mal wieder hat, auszudrücken. Sie weiß durch ihre gute kompositorische Ausbildung von allen Regeln der Zeit, um sich dann extrem souverän über dieselben hinwegzusetzen. Das finde ich sehr sympathisch. Ilona HannIng: Dass sie als Komponistin damals, im siebzehnten Jahrhundert, schon zu Lebzeiten so einen guten Ruf hat und so erfolgreich war, hat sie ja bestimmten Umständen zu verdanken, unter anderem auch ihremVater. Was hat er denn alles für sie getan, damit seine Tochter tatsächlich diese Karriere als komponierende Frau damals machen konnte? DorotHee MIelDs: Zum einen hat er sie finanziell beschützt sozusagen, also, dass sie frei von Geldsorgen war und von daher schon einfach sehr frei komponieren konnte, weil sie ja auch verlegt wurde. Sie war gesellschaftlich durch ihn geschützt, einmal dadurch, dass er sie als leibliche Tochter angenommen hat, was nicht so selbstverständlich ist. Sie war eigentlich die Tochter einer freien Kurtisane, die aber dann als Bedienstete im Vaterhause angenommen war. Wie weit sie das dann wirklich auch als Bedienstete ausgeübt hat, weiß man nicht. Jedenfalls hat er sie als leibliche Tochter anerkannt, was dadurch alles geändert hat für sie, also den ganzen weiteren Lebensweg. Und er hat sie sehr, sehr frei in allen Künsten und allen Wissenschaften unterrichtet oder eine Ausbildung zukommen lassen, was für die Zeit und für eine Frau extrem ungewöhnlich ist. Sie war sicherlich auch sehr intelligent, das ist auf sehr fruchtbaren Boden gefallen. Aber das wissen wir von anderen späteren FrauTage Alter Musik Regensburg 2025 15 Das Salzburger Lautenensemble: v. l. n. r. Hubert Hoffmann, Laute, Jakub Mitrik, Laute, Peter Trefflinger, Basso di Viola, Daniel Oman, Laute, Erich Traxler, Orgel

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