sagt viel aus über den Stellenwert eines Musikers, man denke an Beethoven. Da war fast die Hälfte der Wiener Bevölkerung auf den Beinen, auch der Wiener Adel, und wichtige Wiener Musiker trugen den Sarg oder waren als Fackelträger dabei. Zum Beispiel auch Franz Schubert war bei der Beerdigung, das zeigt ja auch, welchen Stellenwert Beethoven damals hatte. Detlef Krenge: Für uns heute ist Palestrina ja weltweit einer der ganz großen Komponisten der Spätrenaissance. Zeigte sich das dann auch bei seinem Begräbnis, bei seinem Tod, wie zum Beispiel eben auch bei Beethoven? Ilona HannIng: Ja und Nein. Denn Palestrina war ja Kapellmeister der Musikkapelle des Petersdoms, und er hatte eine ehrenamtliche Stelle in der Sixtinischen Kapelle, also der päpstlichen Musikkapelle, und da findet man einen Eintrag zu seinem Tod, in dem es heißt, dass er im Petersdom beerdigt wurde, begleitet von allen Musikern Roms, einer großen Menge des Volkes und Mitglieder der Sixtinischen Kapelle haben das Responsorium „Libera me, Dominum“ gesungen. Aus diesen paar Zeilen hat Professor Chemotti einiges abgeleitet; zum Beispiel, dass eine Menge des Volkes ihm folgte, war schon besonders, aber dass alle Musiker Roms bei der Beerdigung dabei gewesen seien, sagt er, das findet er ein bisschen übertrieben. Dass die Mitglieder der Sixtinischen Kapelle bei der Beerdigung gesungen haben, könnte man meinen, sei etwas Besonderes, ist es aber nicht. Denn das steht quasi in deren Verfassung. Wenn einer ihrer Sänger stirbt, dann haben alle bei der Beerdigung dabei zu sein und für das Seelenheil des Verstorbenen zu singen. Aber was wiederum dort gesungen wurde, das „Libera me“, das war ein Stück, das Palestrina selbst komponiert hat, und das war wiederum besonders. Und außerdem wird sein Tod in den „Avvisi di Roma“, so ein handschriftliches Nachrichtenblatt, erwähnt, zwar nur in drei Zeilen, aber immerhin. Also irgendwie kann man sagen, das Begräbnis von Palestrina war schon in gewisser Weise ein besonderes, aber eher ein römisches Ereignis. Detlef Krenge: Und das hat auch funktioniert, die Gebete haben gewirkt – sein Nachruhm ist ja gigantisch. Du hattest ein weiteres Thema erwähnt, das auch mit Regensburg zusammenhängt, dass die PalestrinaRezeption hier in Regensburg im 19. Jahrhundert sehr speziell war. Das klingt ein bisschen nerdy. Ilona HannIng: Es ist echt spannend, hätte ich gar nicht gedacht. Es gab zu diesem Symposium nicht nur einen Vortrag, sondern auch eine kleine, feine Ausstellung in der Bischöflichen Zentralbibliothek mit originalen Drucken und Handschriften der Werke von Palestrina aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Also ein echter Schatz. Da sieht man zum Beispiel von Vincenzo Galilei, genau, dem Vater von Galileo Galilei, ein Lehrbuch zum Laute lernen, in einemDruck von 1584, also zu Lebzeiten von Palestrina erschienen. Und in dieser Lauten-Schule von Galilei, da gibt es vier Madrigale von Palestrina, die Vincenzo Galilei für Laute eingerichtet hat und als Lauten-Tabulatur niedergeschrieben hat. Oder man hat eine Prachtausgabe der Lamentationen von Palestrina, die für die päpstliche Kapelle hergestellt wurde, mit tollem rotem Einband und päpstlichem Wappen. Detlef Krenge: Zu einer Prunkhandschrift kommen wir auch noch in der zweiten Stunde dieser Sendung, dann im Zusammenhang mit Orlando di Lasso. Spannend ist aber auch in puncto Palestrina, was im 19. Jahrhundert in Regensburg passiert ist. Ilona HannIng: Ja, also der Geistliche und Musikforscher Carl Proske hier in RegensTage Alter Musik Regensburg 2025 12 Prof. Dr. Antonio Chemotti bei seinem Vortrag in Regensburg Intavolierung des Madrigals „Vestiva i colli“
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